Donnerstag, 6. April 2017

[Rezension] Mina Teichert - Neben der Spur, aber auf dem Weg



Leseprobe



Eckdaten:
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Eden Books; Auflage: 1 (6. April 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3959101082
ISBN-13: 978-3959101080
Größe und/oder Gewicht: 13,6 x 2,7 x 21,1 cm

Inhalt gem. Amazon:
Tollpatschig, verträumt, chaotisch – so wird Mina als Kind von ihrer Umwelt wahrgenommen. Doch je älter sie wird, desto mehr überfordert sie ihr Alltag durch die allgegenwärtige Reizüberflutung. Schließlich bekommt sie die Diagnose, die ihre Zukunft verändert: Mina hat ADS – und mit einem mal kann ihr geholfen werden.

Feinfühlig, authentisch und mit bewundernswertem Witz berichtet Mina Teichert von kleinen Krisen, Missgeschicken und Einschränkungen, mit denen sie leben muss, aber auch von ihrer bunten, verrückten Sicht auf die Welt.

Mina Teichert gibt einen Einblick in die Krankheitsbilder ADS und ADHS, erklärt, warum eine solche Diagnose gerade bei Mädchen häufig sehr spät gestellt wird welche Therapieformen es gibt und wie man mit ADS im Erwachsenenalter umgehen kann. Ihr Buch beantwortet nicht nur viele Fragen rund um eine der häufigsten Volkskrankheiten unserer Zeit, sondern zeigt vor allem, dass auch mit ADS und ADHS ein erfülltes Leben möglich ist. Eine unverzichtbare Hilfestellung für Eltern, deren Kinder betroffen sind!

Zum Buch:
ADS oder ADHS zu haben, war für mich bislang gleichzusetzen mit dem Gedanken an ein hyperaktives Kind, das nicht stillsitzen kann, ein Zappelphillip sozusagen. Wie verkehrt ich mit dieser Meinung lag, zeigte mir die Autorin Mina Teichert in ihrem Buch auf.

Sie selbst ist betroffen von dieser Krankheit, denn sie leidet unter ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom). Dass es bei ihr erst sehr spät diagnostiziert wurde, sie war bereits über 20, liegt daran, dass ihr zum bekannten ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom / Hyperaktivitätssyndrom) die Hyperaktivität fehlt. Diese fehlt bei Mädchen sehr oft, so dass es nicht wundert, dass eine Erkennung der Krankheit fast dem Zufall gleicht.

In ihrem neuen Buch lässt die Autorin den Leser teilhaben an ihrem Leben und dem leben mit ADS. In dem Buch stecken 90% Mina Teichert drin, die restlichen 10% wurden angepasst.

Mina Teichert ist sehr offen mit dem, was sie von sich preisgibt. Viele private Dinge haben in dieses Buch gefunden, nicht alles war lustig.
Sie erzählt von ihrer Kindheit und ihren Wahrnehmungen, die niemand nachvollziehen konnte. Sie hatte es schwer, fand doch für sie ständig eine Reizüberflutung statt, gegen die sie versuchte, anzukämpfen. Wutausbrüche, verbale unflätige Kommunikation und auch vor Gewalt schreckte sie nicht zurück.
Dass sie anders war als andere, merkten auch andere Kinder, von denen sie auch teilweise gemobbt wurde. Eine Integration, zum Beispiel die Aufnahme in die Kita, führte nicht zum Ziel, sie schrie alles zusammen, so dass ihren Eltern nichts anderes übrig blieb, als sie wieder abzuholen, vor der Zeit.
Sie fühlt sich bei altbewährtem wohl, Überraschungen oder Änderungen grenzen an Reizüberflutung, mit der sie sehr schlecht umgehen kann.

Durch die Aufnahme von vielen Eindrücken auf einmal verliert sie sich selbst, sie träumt vor sich hin und achtet nicht mehr auf die Umwelt, was letztendlich zu unendlich vielen Missgeschicken und Unfällen führt.
Nicht mehr lustig war beispielsweise die Tatsache, dass sie mit ihrem Mann im Auslandsurlaub bei einem Arzt landete, der ihren Mann schon fast der häuslichen Gewalt bezichtigte, nachdem er einen Blick auf ihre Röntgenbilder genommen hatte.

Mina merkte selbst, dass sie anders tickt als andere. Die Frage, was mit ihr nicht stimmt, bestimmt auch ihr Leben.
Sie hat große Probleme, was das Berufsleben angeht, Partnerschaften gehen nicht ohne Komplikationen vonstatten. 
Sie fühlt sich missverstanden, nicht nur von ihren Eltern. Falsche Diagnosen von Ärzten führen sie in die Psychiatrie und lassen sie Therapien machen, die nichts bringen. Medikamente werden verordnet und es dauert lange, zu lange, bis die eigentliche Diagnose gestellt wird.
Aber selbst von dem Zeitpunkt an ist es für sie nicht leicht, alles kommende zu bewältigen.

An all dem lässt die Autorin den Leser teilhaben. Auf humorvolle Art beschreibt sie nicht nur ihren Lebensweg, sondern zeigt auch die Seiten der Krankheit auf.
Betroffene oder Angehörige von Betroffenen werden viele Dinge wiedererkennen bzw. können sich hier Hilfe holen.
Am Ende des Buches wartet sie noch mit einem Ratgeberteil auf, der Hinweise und Tipps gibt, wohin man sich wenden kann, wie man die Krankheit erkennen kann und vieles mehr. 

Ich war überrascht, wie vielseitig die Krankheit ist und auch, dass sich diese nicht immer mit der Zeit verliert. Es gibt Menschen wie Mina, die lebenslang mit dieser Krankheit leben müssen.
Sie hat in ihrem Buch nichts beschönigt, Dinge erzählt, die betroffen machen.

Es ist ein Buch, das nicht nur unterhaltsam geschrieben ist, es vermittelt auch Wissen zu einem ernsten Thema.
Ich kann es nur weiterempfehlen und das nicht nur an Betroffene, sondern auch an Menschen wie mich, die sich bislang um diese Krankheit keine Gedanken gemacht hat.


Bewertung:


Zur Autorin:

(übernommen von Amazon)
Als Winterkind im Jahr 1978 in Bremen geboren, verfolgte ich zunächst hartnäckig das Ziel Kunstreiterin im Zirkus zu werden. Mit zwölf entschied ich mich um und beschloss Kinofilme zu machen, was mich über den Umweg der Fotografin ans Schreiben brachte. Mit meinem vorsichtigen Debüt Cherryblossom 1 und 2, als Mina Kamp veröffentlicht bei Knaur, gelang es mir 2013 als Autorin das Licht der Welt zu erblicken und mich in diese Art des Geschichtenerzählens zu verlieben. Wenn ich nicht gerade schreibe, helfe ich meinem Mann auf seinem Milchviehbetrieb in Niedersachsen oder bemuttere meine 14-jährige Tochter Luna und deren Katzenbabys.

Von Mina Kamp / Teichert wurden gelesen und rezensiert:
  

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei der Autorin

Mina Teichert  

sowie dem Verlag


bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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