Dienstag, 18. Oktober 2016

[Rezension] Yvonne Richter - Casting: Spiel ums Leben


Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 295
ISBN: 978-3-944788-28-9
Erscheinungstermin:
25. August 2016
Preis:
16,95 EUR
Format:
Hardcover
Verlag: Fabulus Verlag


Klappentext gem. Fabulus: 
Lovis ist ein Siegertyp. Geschickt bewegt er sich in der schillernden Spielewelt, deren Gesetze längst in sämtlichen Bereichen des Lebens gelten. Eine Clique von selbstverliebten Juroren hält das Karussell der Castings und Contests in Gang. Sie sorgen mit drastischen Methoden dafür, dass niemand aus der Reihe tanzt. Als Lovis sich mit Jo anfreundet, beginnt er am Sinn der strengen Regeln zu zweifeln. Das Mädchen und er gehen auf gefährliche Touren. Was sie dabei hinter den Kulissen der Vergnügungsmaschinerie entdecken, stellt alles Gewohnte infrage. Mit einigen Gleichgesinnten finden sie Zuflucht in einer alten Manufaktur und proben den Widerstand. Aber Detektive sind ihnen bereits auf der Spur. Wird es den Ausreißern gelingen, sich gegen das übermächtige System zu behaupten und ihren eigenen Ideen zu folgen?


Rezension:
In der Welt der Zukunft wird das Leben  der Menschen durch Castings bestimmt. Es gibt die privilegierte Gesellschaft, die dem Konsum von Castingshows im Fernsehen frönt und es gibt die "normalen" Menschen, die ihren Lebensunterhalt durch Castings bestreiten. Wohnanspruch, Nahrung, Bildung - all das muss ercastet werden, denn einen Anspruch auf solche Luxusgüter hat niemand. Von klein auf wird  die Gesellschaft in Castings gedrillt, angefangen mit Baby-Castings bis hin zu dem Lebensabschnitt, in dem man ausgecastet wird. Menschen, die körperlich oder geistig nicht mehr in der Lage sind, an Castings teilzunehmen, werden zur Zwangsarbeit in Fabriken gesteckt, wo sie für den Rest ihres Lebens für Nahrung und Unterkunft die Gewinne der Castingshows herstellen müssen.

Das System hat sich bewährt, niemand zweifelt an diesem, denn ist es nicht immer schon so gewesen? Lovis ist ein Teenager und bestreitet erfolgreich diverse Castings. Immerhin hat er derzeit einen 3-monatigen Wohnanspruch gewonnen, was viel wert ist, müsste er doch sonst in einem Park übernachten. Derzeit nimmt er an einem Casting teil, in dem es ein großes Essenspaket zu gewinnen gibt - und sich endlich mal wieder richtig satt zu essen, das wäre wundervoll. Jovis ist auf sich allein gestellt, denn seine Mutter wurde bereits vor einiger Zeit ausgecastet. Die Castings sind jedoch nicht kostenlos - nein, die Teilnehmer müssen eine Gebühr bezahlen, um an diesen teilnehmen zu können. Tatsächlich verhält es sich für Lovis so, dass er bei diesem bewussten Casting zwar ins Finale kommt, jedoch von einem Mädchen namens Jo besiegt wird. Dieser Sieg soll Lovis jedoch in Erinnerung bleiben, denn dieses ihm unbekannte Mädchen bietet ihm an, ihren Gewinn mit ihm zu teilen. Schnell schließen die beiden Freundschaft und Lovis lässt Jo heimlich bei sich übernachten (was auf gar keinen Fall gestattet ist) und fortan treten sie zusammen zu Castings an.

Während eines weiteren Castings (wo auch sonst) lernen die beiden ein Mädchen namens Schlawine kennen, die mit allen Wassern gewaschen ist und mit unter auch mal mogelt, um zu gewinnen. Die drei verstehen sich auf Anhieb, ebenso mit Quecke, einem weiteren Mädchen, dass sie durch ein Casting kennenlernen. Die vier treffen immer aufeinander, sind sie doch in derselben Tretmühle gefangen. Zwischen ihnen spinnt sich eine Freundschaft, die weit über Casting-Gefährten hinausgeht. Als die vier bei einem weiteren Casting einen Jungen namens Admiral Kahlo kennenlernen, ist die Gruppe komplett, doch ehrlich - sie haben sowas von die Nase voll von Castings, alle fünf. Immer wieder müssen sie kämpfen, immer wieder sich beweisen, nur um ihre Grundbedürfnisse zu erfüllen und wenn sie es mal nicht schaffen, werden sie fallengelassen - und alles nur, um die Zuschauer an den Fernsehgeräten zu unterhalten. Die fünf beschließen, etwas Unruhe in die geordnete Castingwelt zu bringen und machen dabei eine überaus interessante Entdeckung - es gibt noch ein Leben außerhalb der Castings ...


Nieder mit den Castings! Der Plot wurde  abwechslungsreich erarbeitet. Ich fand die Welt, die in diesem Buch erarbeitet wurde, ausgesprochen faszinierend, denn so etwas wie Familienverbände oder Gemeinschaften, gibt es nicht mehr und anstelle zu Arbeiten und damit die Wirtschaft voranzubringen, müssen die Menschen immer wieder gegeneinander antreten, um ihre Grundbedürfnisse zu stillen. Die Figuren wurden authentisch erarbeitet. Besonders beeindruckt hat mich hier die Figur der Jo, die von sich aus den ersten Schritt getan hat und bereit war, ihr hart erkämpftes Essen mit einem Unterlegenen zu teilen, den sie bis dato überhaupt nicht kannte. Trotz all der widrigen Umstände, in denen sie lebt (und sie sind wirklich widrig), hat sie sich ein gutes Herz bewahrt. Besonders schön fand ich auch die Namen der Figuren, so zum Beispiel ein gewisser Herr Kon To oder eine gewisse Kami Katze. Den Schreibstil kann ich als sehr angenehm zu lesen, sodass ich abschließend sagen kann, dass mir das Buch schöne Lesestunden bereitet hat.

Bewertung

Die Autorin:
Jahrgang 1956, baute nach dem Kunststudium in München und einer Station als Kunsterzieherin das erste mobile Kindermuseum in Deutschland mit auf. Sie war als Figurentheaterspielerin und Performancekünstlerin unterwegs und arbeitet beim Kinder- & Jugendmuseum Nürnberg. In ihren Geschichten verbindet sich die Lust am Fabulieren mit hintergründigem Humor und Toleranz. (übernommen von Fabulus)


Zur Homepage der Autorin kommt ihr hier.



Wie ich zu dem Buch kam:
An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Verlag


http://fabulus-verlag.de/de/
bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

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