Mittwoch, 31. August 2016

[Rezension] Lily Oliver - Die Tage, die ich dir verspreche




Leseprobe



Eckdaten:
Broschiert: 368 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. September 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426516764
ISBN-13: 978-3426516768
Originaltitel: .
Größe und/oder Gewicht: 13,4 x 3,4 x 19,2 cm

Inhalt gem. Knaur:
»Du hast Glück, Gwen, alles wird gut, Gwen.« Seit ihrer Herztransplantation hört Gwen nichts anderes mehr. Doch statt überschäumender Lebensfreude fühlt sie nur Schuld gegenüber dem Menschen, der für sie gestorben ist. Und so fasst sie in einer besonders verzweifelten Nacht einen ungeheuerlichen Plan: Sie will ihr neues Herz verschenken und sterben. Ihr entsprechendes Angebot in einem Internetforum liest dessen Moderator Noah, ein junger Student, der keinen großen Sinn in seinem Leben sieht. Er hält ihr Angebot für einen üblen Scherz, geht aber zum Schein darauf ein. Erst als Gwen am nächsten Tag vor ihm steht, um ihn beim Wort zu nehmen, erkennt er, wie schrecklich ernst es ihr ist. Nur mit einem gewagten Handel und einer furchtbaren Lüge kann er ihr das Versprechen abringen, ein paar weitere Tage durchzuhalten. Tage, in denen Noah alles daran setzen muss, Gwen von etwas zu überzeugen, woran er selbst kaum noch glaubt: Dass das Leben lebenswert ist.

Zum Buch:
Gwen gehört zu den wenigen glücklichen Menschen, für die es ein Spenderherz gibt. Die Transplantation verläuft ohne Probleme und sie müsste eigentlich glücklich sein, wieder Dinge tun zu können, die schon lange nicht mehr für sie machbar waren. 
Aber sie ist es nicht. Selbst nach einer Reha, die länger als gewöhnlich war, geht sie nicht freudig und motiviert nach Hause.
Sie hat Schuldgefühle, fühlt sich dem unfreiwilligen Spender gegenüber schuldig, denn nur durch seinen Tod kam sie an sein Herz.
Zu Hause bei ihren Eltern geht man wieder zur Tagesordnung über, ihre Eltern vereinnahmen sie, ihr Bruder reißt sie mit sich, um mit ihm Sport zu treiben. Niemand fragt, was sie eigentlich will und wie sie sich fühlt.

Sie ist an dem Punkt angelangt, wo es ihr so schlecht geht, dass sie nicht mehr weitermachen will. Sie hat sich vorgenommen, ihr Herz zu verschenken an jemanden, der damit glücklich sein wird.
Sie schreibt dies in ein Forum, das sich auf Herztransplantationen spezialisiert hat und deren Betreiber Noah ist. 
Noah hält sie für einen Troll, ein Fake, und löscht ihren Post umgehend. Sie versteht das nicht und schreibt ihn per Mail an. Darauf antwortet er ihr, dass er den Post gelöscht hat, weil er das Herz für sich will. Was er als Witz geschrieben hat, fällt bei Gwen auf fruchtbaren Boden.
Als sie das Gefühl hat, dass er Hilfe braucht, fährt sie kurzentschlossen von Berlin nach München, in der Hoffnung, dass es für den herzkranken Noah nicht zu spät sein möge. Sie will ihm ihr Herz geben und setzt alles daran, dass es auch dazu kommt.
Noah sieht, wie todernst es Gwen ist und macht sich zur Aufgabe, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Das aber geht nicht ohne Lügen, in die er sich immer mehr verstrickt...

Wow, was für ein Buch. Ein Buch, das einen nachhaltig beschäftigt, bewegt und zum Nachdenken anregt.
Depressionen und Herztransplantationen bzw. Transplantationen allgemein sind hier in eine Liebesgeschichte gepackt, die noch eine Weile nachklingt. Diese Lektüre steckt man nicht eben so weg und greift sich das nächste Buch, diese hier muss man erst mal sacken lassen. So zumindest empfinde ich das.

Es ist eine komplizierte Geschichte. 
Gwen will ihr Herz weggeben, weil sie mit den Emotionen und Depressionen, die sie befallen, nicht klar kommt. Die Schuldgefühle fressen sie auf, nachts stehen die Toten bei ihr Schlange und wenn nicht die Toten selbst, dann im Traum die Angehörigen der Toten. Sie kann nicht abschalten, ständig hat sie das Gefühl, Stimmen zu hören. In Noah scheint sie die Person gefunden zu haben, dem sie ihr Herz geben will. 
Noah, der Betreiber der Herz-Community erkennt sehr schnell, wie ernst es Gwen damit ist. Er will ihr helfen, kann das aber nicht ohne zu lügen. Auch hat er versprochen, niemandem von ihrer Verzweiflung zu erzählen und doch holt er sich bei einem befreundeten Psychologen heimlich Rat, was er machen soll und wie er ihr helfen kann. Ständig lebt er in der Angst, dass sie sich etwas antun wird.
Sie verspricht ihm, 14 Tage nichts zu unternehmen.

Der Autorin Lily Oliver gelingt es hervorragend, die Ängste und Nöte, die Gwen befallen, dem Leser nahezubringen. Man fühlt mit ihr mit, es ist selbst für den Leser, der sich mit dieser Materie noch nie beschäftigt hat, wirklichkeitsnah und real. Man kann sich gut in Gwen hineinversetzen und das ist schon beängstigend.
Man fühlt sich aber auch zu Noah hingezogen, zu erleben, wie er alles versucht, um Gwen auf andere Gedanken zu bringen. Man spürt seine Hilflosigkeit und möchte die beiden beschützen.
Später, wo es Missverständnisse ohne Ende gibt, möchte man jedoch beide nehmen und sie schütteln, bis sie wieder klar denken und sie dazu animieren, doch endlich den Mund aufzumachen und miteinander zu reden. Sie reden zwar viel miteinander, aber das wirklich wichtige trauen sich beide nicht zu offenbaren.

Ein ausgesprochen berührender Roman. 
Ein Roman, der deutlich aufzeigt, dass mit dem Finden eines Spenderorgans und einer erfolgreichen Transplantation noch lange nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt sind. Das betrifft nicht nur den Organempfänger sondern auch seine Umgebung, Eltern und Familie.
Es ist eine lebensbejahendes Buch, das ich sehr gern weiterempfehle.   

Bewertung:



Zur Autorin:
(Text übernommen vom Knaur - Verlag)
Als Kind wollte Lily Oliver Tierärztin werden und wurde dafür von ihrer Künstlerfamilie misstrauisch beäugt. Nach dem Studium stellte sie fest, dass sie zwar die Medizin liebte, nicht aber den Alltag in der Praxis. Also suchte sie etwas, bei dem sie ihre chronische Neugier und ihr Bedürfnis, alles auszuprobieren, besser ausleben konnte. So kam sie zum Schreiben, dem perfekten Beruf, weil er genauso gefühlvoll und vielseitig ist wie sie. Ihr Studium verbucht sie als bereichernde Erfahrung, und ihre Familie weiß nun endlich, woran sie ist.





Auf diesem Wege möchte ich mich recht herzlich bei der
bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

Kommentare:

Alisia Mikata hat gesagt…

Wow... solche Bücher lese ich eigentlich nicht aber das klingt ja mal mega Interessant! Ich wollte eh was neues ausprobieren und da passt es ja :D
Transplantationen interessieren mich seit kurzem irgendwie, da ich das im Unterricht durch genommen hatte.
So wie du das erzählst muss es echt ein sehr gutes Buch sein! (wie gut das ich heute in die Buchhandlung gehe *hüstel*
Das wichtigste für mich ist immer der Schreibstil und das die Charaktere auch gut rüber kommen. Das man mit fiebern kann. Das scheint ja bei diesem Buch so zu sein :)


Liebe Grüße

Alisia

Kleeblatt hat gesagt…

Hallo Alisia

das ist wirklich ein gutes Buch. Mir hat es sehr gut gefallen.
Ich wünsche dir viel Spaß dabei

LG
Monika