Samstag, 25. Juni 2016

[Rezension] Christiane Lind - Das Shakespeare-Geheimnis



Leseprobe




Eckdaten:
Taschenbuch: 388 Seiten
Verlag: Amazon Publishing (10. Mai 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1503937747
ISBN-13: 978-1503937741
Größe und/oder Gewicht: 12,6 x 2,5 x 18,6 cm

Inhalt gem. Amazon:
London 1592. Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann landet die junge Alice in der Welt der Theater, Bordelle und Tierkämpfe. Als Mann verkleidet und mit Hilfe des Autors Christopher Marlowe wird sie Schauspieler im Rose Theatre. Trotz der Sorge aufzufliegen, wird Alice am Theater glücklich – spätestens als sie dort ihre große Liebe findet. Doch dann spürt ihr Ehemann sie auf, und Alices Leben gerät in höchste Gefahr …

Zum Buch:
Alice ist fasziniert von der Welt des Theaters. Zu gerne würde sie an dieser teilhaben, spielen oder auch Stücke schreiben. Aber die Zeit ist die falsche. 1592 ist es Frauen nicht gestattet, im Theater zu arbeiten, selbst Frauenrollen werden von Jungen vor dem Stimmbruch gespielt.
Frauen haben zu der Zeit keinerlei Rechte, die Wahl des Ehemannes wird in den meisten Fällen von den Eltern getroffen.
So sieht auch Alice sich gezwungen, eine Ehe eingehen zu müssen, die sie nie im Leben in Erwägung gezogen hätte.
Ihr Vater, geblendet von der Welt des Adels tut alles, um einen Titel in der Familie zu haben und verschachert Alice an den Edelmann Stephen, der Alice schon bei der ersten Begegnung unsympathisch ist.
Aber ihr Vater lässt nicht mit sich reden und Alice heiratet Stephen. Sein wahres Gesicht zeigt er auch sehr schnell, denn er ist ein brutaler und böser Mann. Er verprügelt Alice, die sich vor Schmerzen nicht mehr bewegen kann. Sie hat gelernt, auch dieses zu erdulden, denn wenn sie klagt, werden die Schläge noch brutaler. Nicht einmal auf eine beginnende Schwangerschaft nimmt er Rücksicht.
Als Stephen dann auf Reisen ist, flieht sie voller Schrecken zu ihren Eltern, wird aber von diesen maßlos enttäuscht. Der Vater geht nicht davon ab, dass Alice zu ihrem Mann gehört und will sie zu ihm zurückschicken. Schließlich ist eine Frau selbst schuld, wenn sie von ihrem Mann gemaßregelt wird. Auch ihre Mutter steht nicht zu ihr und verschließt vor Angst vor ihrem Mann die Augen.
Nur in Millicent, ihrer früheren Amme, findet sie eine Freundin und Vertraute, die aber leider nicht helfen kann.
Bevor jedoch Stephen kommt und sie zu sich zurück holt, flieht sie aus ihrem Elternhaus. Als junger Mann verkleidet macht sie sich auf den Weg nach London, nur wenig Geld in der Tasche, aber voller Hoffnung auf ein Leben ohne Stephen. 
Dieser jedoch schäumt vor Wut, als er Alice nicht bei ihren Eltern vorfindet und macht sich voller Zorn auf die Suche nach Alice ...

Alices Leben ist nun dies eines jungen Mannes. Sie findet Anschluss bei Vaganten, Heimatlosen. Marlowe, ein Autor, nimmt sie unter seine Fittiche und endlich darf sie auf der Bühne spielen. Ein so lang gehegter Traum wird Wirklichkeit. Aber sie weiß, dass sie sich nicht als Frau zu erkennen geben darf, denn es ist strafbar, Frauen auf der Bühne auftreten zu lassen. Zudem muss sie immer auf der Hut sein vor ihrem Mann, denn ihr ist bewusst, dass er sie suchen wird, erbarmungslos und er nicht ruhen wird, bis er sie gefunden hat.
Dann ist da auch noch James, für den sie anfängt, Gefühle zu haben, der aber ist eher ein Luftikus, am liebsten hat er jeden Tag eine andere Frau in seinem Bett.

Die Autorin Christiane Lind entführt den Leser nach London in die Zeit von Elisabeth I. Es ist eine düstere Zeit, vor allem für Frauen. Das Selbstbestimmungsrecht der Frauen ist bei Null, sie werden von Eltern und Ehemännern wie Eigentum behandelt, mit dem sie tun und machen können, was immer sie wollen. 
Die Ehen werden arrangiert, ohne Mitspracherecht der Frauen.
Auf der Bühne des Theaters sind Frauen nicht zugelassen, es ist eine Männerdomäne, die Mitwirkung von Frauen auf der Bühne ist verboten und wird geahndet.
In genau dieser Zeit spielt dieser Roman um die Protagonistin Alice. Eine junge impulsive Frau, die das Herz auf der Zunge trägt. Aber nur solange, bis sie mit Stephen verheiratet wird. Einem Mann, dem die Gefühle seiner Frau egal sind, der sie nur wegen ihres Geldes geheiratet hat und der nichts von ihr hält.

Aus der einstigen impulsiven und lebenslustigen Alice wird eine Frau, die Schmerzen erduldet und nicht mehr widerspricht. Ihre Leiden sind kürzer, wenn sie alles über sich ergehen lässt. Aber ein kleiner Lebensfunke existiert noch in ihr, einer, der sie über sich selbst hinauswachsen und ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen lässt.

Christiane Lind spiegelt mit ihrem Buch das Leben in London zu dieser Zeit sehr gut wieder. Man begegnet einem London, das sich viel auf der Straße abspielt. Bedrohte Existenzen bedrohen andere, bestehlen sie und nicht selten nehmen sie ihnen auch das Leben. Es ist eine rohe Zeit, in der Mitmenschlichkeit keine große Rolle spielt. Jeder ist sich selbst der nächste.
Für den eigenen Vorteil darf es gern auch mal Verrat oder Denunziation sein.
Die Autorin hat diese Zeit sehr gut recherchiert, hat sogar einige real existierende Personen in ihr Buch eingegliedert. Selbst William Shakespeare hat in ihrem Buch seinen Platz gefunden, Christopher Marlowe und andere. 

Marlowe spielt in diesem Buch ebenfalls eine tragende Rolle. Als Autor und Spion sitzt er zwischen den Stühlen. Er will nicht mehr spionieren, hat aber keine Chance, aus diesem Zwiespalt zu entkommen.

Die Figuren in dem Roman sind farbenfroh gezeichnet, authentisch und, gerade die real existierenden, fantastisch recherchiert.
Als Leser fühlt man sich in das 16. Jh. in London zurückversetzt. Man erlebt ein gutes Stück englischer Geschichte, hat das Gefühl, man rieche förmlich das alte London. 
Dank des abgebildeten Stadtplanes von London fühlt man sich auf den Straßen auch nicht fremd, ein Blick auf die Karte und man weiß, wo man sich befindet.
Christiane Lind hat neben dem Stadtplan dem Leser weitere Informationen zur Verfügung gestellt. So findet man am Ende des Buches ein Glossar mit den Erläuterungen unbekannter bzw. nicht mehr aktueller Begriffe und Hintergrundinformationen. Man erfährt hier über das Theater zu Elisabeth' Zeiten, über Marlowes Tätigkeiten als Spion, Shakespeares Geheimnis seiner Stücke sowie Löhne und Preise in England.

Ein rundum gelungenes und in sich stimmiges Buch, das mir schöne Lesestunden bescherte und das ich gern weiterempfehle.


Bewertung:


Zur Autorin:

(übernommen von Amazon)
Christiane Lind wuchs im niedersächsischen Zonenrandgebiet auf. Heute lebt sie mit einem Ehemann und fünf Macho-Katern in Kassel. Sie liebt Bibliotheken und Kunstmuseen, kann auf Zigaretten und Fleisch verzichten, nicht aber auf Latte Macchiato und ihren iPod. Die Sozialwissenschaftlerin arbeitete in unterschiedlichen Berufen, bis sie sich zur Jahrtausendwende selbstständig machte.
Christiane Lind war schon immer eine Leseratte, aber den Wechsel auf die Seite der Autorin hat sie ebenfalls mit dem Millenium vollzogen.



Von Christiane Lind wurden gelesen und rezensiert:
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An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei der Autorin




bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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