Freitag, 22. April 2016

[Rezension] Florian Herb - Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot



Leseprobe




Eckdaten:
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (15. April 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 354828759X
ISBN-13: 978-3548287591
Größe und/oder Gewicht: 12 x 2,4 x 18,7 cm

Inhalt gem. Ullstein:
Alois Gschwend, Besitzer der örtlichen Brauerei in Ried im Allgäu, steckt in der Krise. Seine Frau hat ihn verlassen, die Kinder sind in die Großstadt gezogen und irgendjemand hat ihm das Finanzamt auf den Hals gehetzt. Kurzerhand wirft er alles hin und braut nicht mehr. Das versetzt ganz Ried in Aufruhr, denn welche Schande wäre es, das Bier zum 700-jährigen Dorfjubiläum aus dem Nachbarort zu importieren! In geheimer Mission reisen die Landfrauen nach Hamburg und überreden Alois' Tochter Maria, heimzukehren und die Brauerei zu retten - mit den Waffen einer Frau ...

Zum Buch:
In Ried im Allgäu stehen im kommenden Jahr jede Menge Ereignisse an, die gefeiert werden müssen. Zum 700. mal wird die Erteilung des Marktrechts gefeiert, Schützenverein und freiwillige Feuerwehr werden 150 Jahre, der Trachtenverein feiert sein 100. Jahr, die Landfrauen haben ihr 70jähriges und der Almauftrieb sein 50jähriges. In der Familienbrauerei Gschwend mit ihrem bekannten und beliebten Bier "Erhellung" wird seit 500 Jahren nach dem Bayerischen Reinheitsgebot gebraut.
Grund genug, all diese Ereignisse auch mit der "Erhellung" zu feiern. Aloisius Gschwend, der Brauer und eigentlich sein bester Kunder, lässt sich nur schwer überreden, Bier für die Münchner, die zu der Feier kommen, zu brauen. Für die Rieder ist das kein Problem, aber für Fremde.
Es gibt aber jemanden, der sehr gern für das Mammutfest brauen würde, denn er hat einen Konkurrenten.
Es sieht auch so aus, als könnte Aloisius diese Herausforderung nicht annehmen, denn es wird ihm das Finanzamt auf den Hals gehetzt und nun sieht alles gar nicht gut aus.
Die Landfrauen schicken eine Abordnung nach Hamburg, um dort Maria, die Tochter von Aloisius, um Hilfe zu bitten. 
Viele Jahre war sie nicht mehr in der Heimat, denn sie verließ seinerzeit ihr Elternhaus im Streit und kam bis dato nie wieder zurück.
Es ist kurz vor Weihnachten und ihr Haussegen steht sowieso schief, so dass diese sich bereit erklärt, mit den Landfrauen mitzukommen und zu sehen, was sie richten kann. Auch, findet sie, ist es langsam an der Zeit, alles Vergangene zu vergessen und mit dem Vater zu reden.
Maria ahnt nicht, wie sie ihren Vater antreffen wird, ob es eine Versöhnung zwischen ihnen geben wird oder nicht, aber auf keinen Fall hat sie damit gerechnet, was sie letztendlich dort vorfindet.
Da heißt es nur noch, Ärmel hochkrempeln und los...

Gegen Traditionen kann man nicht ankommen und Festlichkeiten in Ried wurden schon immer mit dem Gschwend-Bier gefeiert. So soll es auch sein, wenn diverse Feierlichkeiten im kommenden Jahr anstehen.
Wenn Aloisius Gschwend dazu nicht in der Lage ist oder nicht so recht will, muss eben jemand anders den Aloisius zur Räson bringen, denken sich der Bürgermeister und die Landfrauen. Gesagt, getan, machen sich ein paar Damen auf den Weg und holen sich Hilfe in Gestalt von Maria, Aloisius' Tochter.
Diese hat gerade ihre eigenen Probleme, lässt sich aber auf das "Abenteuer" Allgäu ein.
Nach 20 Jahren kommt sie wieder in ihre Heimat, wo sich vieles verändert hat. Aber sie spürt auch wieder die Heimat mit dem Herzen und fühlt sich wohl dort.
Es gibt viele Widrigkeiten, die sie hinter sich bringen müssen und erfahren eine Wahrheit, die unglaublich ist.

Auch wenn der Autor in einer kurzen Vorbemerkung verlauten lässt, dass auf Mundart überwiegend verzichtet wird, ist diese im Buch anzutreffen. Ich persönlich tue mich ja schwer mit Dialekten, aber in dem Fall war es wirklich nicht schwer, der Handlung und dem Dialekt folgen zu können.
Mit Witz und Humor lässt Florian Herb den Leser teilhaben an einem Unterfangen, das eigentlich von Anfang an dem Untergang geweiht ist. Aber dank einer starken Gemeinde, dessen Bürgermeister und den Landfrauen wird eine Lösung gefunden. Es geht eben doch nichts über Familie.

Interessant fand ich die Brauerei des Bieres an sich. Der Autor hat hier gewissenhaft recherchiert und es hörte sich für mich alles schlüssig an, was er über das Brauen von Hand, also ohne Technik und Elektrizität, geschrieben hat. Im Zeitalter der Technik wird hier nämlich das Bier noch so gebraut wie vor 500 Jahren und die Verfolgung der einzelnen Arbeitsschritte haben mich schon fasziniert.

Mit den Protagonisten hat der Autor hier auch die unterschiedlichsten Charaktere geschaffen. Ein wenig verschroben, altbacken, anpackend und sympathisch ist der Großteil von ihnen. Als Leser kann man sich sehr gut in sie hineinversetzen und trägt ihre Entscheidungen mit.
Das Buch hat mir gut gefallen, jedoch muss ich ein Pfötchen abziehen, da ich den Anfang ein klein wenig träge fand. Bis es so richtig zur Sache kam und das Buch an Fahrt gewann, dauerte mir zu lange.
Ich habe es trotzdem genossen, mich amüsiert und bestens damit unterhalten gefühlt. Für kurzweilige Stunden genau das richtige Buch.

Bewertung:





Zum Autor:
(Text übernommen von Ullstein)
Florian Herb, 1971 in Berlin geboren, lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen im Allgäu. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit begeistert er sich für Musik, Fotografie, Film, Theater, den VFB Stuttgart und die Tücken des menschlichen Zusammenlebens.

Von Florian Herb wurden gelesen und rezensiert:

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An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Autor



bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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