Montag, 8. Februar 2016

[Rezension] Alster 02: Sterne über der Alster


 
Leseprobe




Eckdaten:
Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (9. November 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492306977
ISBN-13: 978-3492306973
Größe und/oder Gewicht: 12,1 x 3 x 18,7 cm

Inhalt gem. Piper:
Die Revolution von 1918/19 bringt nicht nur Chaos in das geordnete Leben der Hamburger Reederfamilie Dornhain, sondern auch der Dienstboten: Der Patriarch nimmt sich das Leben, sein Chauffeur gerät unter Mordanklage und Nele Dornhain erwartet ein Kind vom Mann ihrer kleinen Schwester. Indes kämpft die älteste Tochter Ellinor um das wirtschaftliche Überleben des Familienunternehmens und auch um ihr eigenes Lebensglück, dessen Zukunft in den Sternen über der Alster geschrieben steht ...

Zum Buch:
Als der Vater der Dornhain-Töchter stirbt, weiß nur Ellinor, die älteste Tochter, dass ihr Vater sich das Leben genommen hat. Ihre Großmutter Charlotte wies sie an, es Nele und Lavinia nicht zu sagen. Auch von dem Wissen, dass der Reeder Victor erpresst wurde und einen Abschiedsbrief hinterlassen hatte, sollten diese keine Kenntnis erhalten.
Es ist eine harte Zeit, aus dem 1. Weltkrieg ist gerade erst Deutschland als Verlierer hervorgegangen, der Kaiser hat abgedankt, Unruhen und Chaos in Deutschland und demzufolge auch in Hamburg sind an der Tagesordnung.
Nele und Livi können nicht rechtzeitig vom Tode des Vaters benachrichtigt werden, da gestreikt wird.
Nele befindet sich mit Konrad, Livis Mann, in der Schweiz, wo dieser sich noch in der Genesungsphase befindet und Livi arbeitet als Telefonistin an der Westfront, wo sie auch die Abdankung des Kaisers hautnah miterlebt.

Nele und Konrad kommen zurück nach Hamburg. Sie hoffen, dass Livi es wahr macht und in die Scheidung einwilligt, wie sie hat verkünden lassen, denn die beiden erwarten ein Kind. Als jedoch Livi anreist, wirft sie sich sofort Konrad wieder an den Hals, ist ihr doch gerade erst wieder ein Mann "abhanden" gekommen, so dass sie lieber festhält, was sie hat, ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer.
Ellinor, als Nachfolgerin ihres Vaters in der Reederei, hat derweil ganz andere Sorgen. Die Testamentseröffnung kann aufgrund der ungesicherten Verhältnisse und Unruhen noch nicht erfolgen und ein Zugang zu den Räumlichkeiten der Reederei wird ihr verwährt. Ein alter Feind hat sich dort breit gemacht.
Zudem sollen alle großen Schiffe an die Siegermächte gehen, so dass der Fortbestand der Reederei Dornhain erst einmal unsicher ist.

Mit diesem Roman legt die Autorin Micaela Jary den 2. Teil der Saga um die Reedereifamilie Dornhain vor. 
Die Protagonisten sind die Dornhain-Schwestern, ihr Großmutter Charlotte und Klara, eines der Dienstmädchen im Haus.
Nach dem Tod des Vaters ändert sich das Leben aller Betroffenen. Hinzu kommen die politischen Unruhen und Begleiterscheinungen, die ein Machtwechsel mit sich bringt. Es ist auch eine Zeit des Hungerns, die nicht nur die arme Bevölkerung betrifft, sondern auch die etwas Betuchteren zu Sparmaßnahmen zwingen.
Vieles im Umfeld der Dornhains ändert sich, aber Charlotte kann mit diesen Änderungen nicht gut umgehen. Contenance bewahren, das zählt und so tun, als ob. Nicht auffallen, nicht zum Gerede der anderen werden. Stillschweigen bewahren.
Eine Großmutter, die mir nicht unsympathischer sein konnte. Es interessierte sie nicht, wie es ihren Enkelinnen geht. Noch immer hat sie das Sagen im Haus und niemand macht ihr die Position streitig.

Lavinia passt sich ihre Welt an, ist unglaublich ich-bezogen und noch immer wie ein verwöhntes kleines Kind, das sich nimmt, was es möchte. Was sie anderen damit antut, ist ihr relativ egal, Hauptsache es dreht sich alles um sie. Nachdem für mich im 1. Teil der Saga eine positive Entwicklung bei Livi festzustellen war, fällt sie nun wieder ins andere Extrem. Ich hätte sie am liebsten geschüttelt, damit sie zur Besinnung kommt und sich einmal ansieht, was sie anderen antut.

Ellinor und Klara haben in diesem Band meine Sympathiepunkte eingeheimst. Diese beiden Frauen tun etwas, sie verändern etwas und nehmen nicht alles als gegeben hin. Sicher brauchen beide jeweils Anstöße von Außenstehenden, aber sie wollen etwas ändern und tun alles dafür.

Micaela Jary nimmt den Leser mit in die Zeit der Anfänge des 20. Jh. Die politische Lage und die Auswirkungen auf die Menschen hat sie hervorragend recherchiert. Als Leser fühlte ich mich in die Zeit zurückversetzt und habe die brisante Lage förmlich selbst miterlebt. Dass sie diese explosive Zeit in eine Familiensaga integriert hat, macht dieses Buch lesenswert. Man erlebt mit der Familie nicht nur deren persönliche Krisen und Belange, sondern auch hautnah einen Teil deutscher Geschichte.

Für mich ist Micaela Jary eine Autorin, die schreiben kann, was sie will. Es ist immer gut recherchiert und in eine Story eingebettet, die man als Leser auch lesen möchte. 
Auch diesen 2. Band empfehle ich sehr gern weiter und bin schon gespannt auf Teil 3. 


Reiheninfo:
Alster 01: Das Haus am Alsterufer
Alster 02: Sterne über der Alster

Bewertung:


Zur Autorin:

(Text übernommen vom Goldmann-Verlag)
Micaela Jary stammt aus Hamburg und wuchs im Tessin auf. Nach einem Sprachenstudium absolvierte sie ein Zeitungsvolontariat und arbeitete viele Jahre als Redakteurin, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Geschichte und Geografie sind ihre liebsten Themen, ihre Faszination gilt dabei vor allem Süd- und Ostafrika. Sie hat eine erwachsene Tochter und lebt nach einem langjährigen Aufenthalt in Paris heute mit Mann und Hund in München und Berlin.





Mein Dank geht an dieser Stelle an die Autorin Micaela Jary, die mir zu Rezensionszwecken dieses Buch zur Verfügung stellte.

Von Micaela Jary wurden gelesen und rezensiert:


Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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