Samstag, 9. Januar 2016

[Rezension] Florian Herb - Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg



Leseprobe



Eckdaten:
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (10. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548286968
ISBN-13: 978-3548286969
Größe und/oder Gewicht: 11,8 x 2,5 x 18,5 cm

Inhalt gem. Ullstein:
Die Sechzigjährige, die die Haustür hinter sich abschloss, ins Taxi stieg und in Granada die Liebe suchte
Eigentlich sieht die ältere Dame ganz normal aus, die morgens in Alvaros Taxi steigt. Auch dass sie sich erst zum Hauptbahnhof und dann doch zum Flughafen fahren lässt, macht ihn nicht stutzig. Aber warum lässt sie ihren geblümten Rollkoffer nicht los? Bevor Alvaro sich versieht, ist er mit Klara Lüdtke und einer Million in bar auf dem Weg von Berlin nach Andalusien — verfolgt von Klaras Verwandtschaft und von Alvaros Chef, der sein Taxi zurück will ...

Zum Buch:
Alvaro ist der beste Fahrer in Cemals Taxiunternehmen. Genau aus diesem Grund hat er ihm ein neues Fahrzeug zur Verfügung, nicht irgendein normales Auto, sondern einen '69 Chevrolet Camaro. Ein Auto wie aus einem amerikanischen Gangsterfilm. Alvaro ist entsetzt, dass er nun dieses Auto fahren soll, lässt sich aber breitschlagen.
Das Auto fällt dermaßen auf der Straße auf, dass nur Bekloppte und Angeber seine ersten Fahrgäste sind, die mal eben um die Ecke gefahren werden wollen.
Bis dann plötzlich eine kleine alte Dame mit Koffern vor seinem Auto steht und zum Bahnhof gebracht werden will. Aus der Fahrt zum Bahnhof wird eine zum Flughafen, die schließlich in eine Fahrt nach Paris weitergeht.
Das ist Alvaro nur recht, steht er doch gerade an einer Stelle, an der es in seinem Leben nicht so recht weiterging und er mal raus wollte. Das kann er nun mit der Fahrt endlich umsetzen, denn die Fahrt endet in Paris noch lange nicht.

Anfangs weiß Alvaro nicht, dass die kleine alte Frau Klara Lüdtke ist, die sich so eben vor ihrer Familie aus dem Staub macht, mit 1 Mio. € im Gepäck, die sie mit einem Rubbellos gewonnen hat. Das Geld war noch nicht einmal da, da haben Mann und Kinder das Geld schon in Gedanken ausgegeben, für ihre eigenen Belange, ohne daran zu denken, dass auch ihre Frau/Mutter Bedürfnisse hat. Bedürfnisse und Wünsche, die sie schon seit Jahren unterdrückt.
Wann, wenn nicht jetzt, sagt sich Klara und macht sich auf den Weg nach Paris, wo sie schon immer einmal hin wollte.
Klar, dass die Familie entsetzt ist, dass die Frau und Mutter verschwunden ist, vor allem, dass das Geld verschwunden ist und schon machen sie sich auf den Weg, um Klara zu folgen.

Ebenso macht sich Cemal, der stolz darauf ist, noch nie aus Berlin rausgekommen zu sein, auf den Weg, um sein Taxi zu holen. In Begleitung befindet sich die stämmige Kerstin, die früher mal Karsten hieß, die Vermieterin von Alvaro ist und sich Sorgen um ihn macht.

Ein Road-Trip der besonderen Art, nicht geplant, sondern absolut spontan.
Klara Lüdtke will nur weg von ihrer Familie, schnell weg sogar. Da es ihr nicht schnell genug ging am Bahnhof und auch nicht am Flughafen, entschließt sie sich kurzerhand, mit dem Taxi nach Paris zu fahren. Alvaro ist von der Idee begeistert und da die Fahrt auch bezahlt wird, lässt er sich darauf ein.
Auf der Fahrt kommen sich der 26-jährige Alvaro und die 60-jährige Klara näher. Alvaro mag Klara, kommt sie ihm doch wie seine Mutter vor, die starb, als er 6 Jahre alt war und die jetzt auch 60 Jahre alt wäre.

Es wird eine ereignisreiche Fahrt, die von Paris aus weiter nach Andalusien gehen wird. Die beiden lernen sich näher kennen, führen Gespräche, die sie nie vorher geführt haben. Klara fällt dabei auf, dass sie zu Hause nur als Gegenstand behandelt wurde, niemand hat je interessiert, was sie selbst wollte. Sie wurde in der Familie zur Selbstverständlichkeit.
Alvaro, der seit Jahren schon in Deutschland lebt, konnte seinerzeit nicht schnell genug weg aus Spanien, von seinem Vater weg. Dieser macht ihm auch heute noch am Telefon immer nur Vorwürfe, ein Gespräch ist miteinander fast nicht möglich und doch empfindet Alvaro Sehnsucht nach ihm und seiner Heimat.

Diese Fahrt wird nicht nur das Leben von Klara und Alvaro ändern, es ändert auch ihr Denken und Fühlen. Sie durchqueren wunderbare Landschaften, die der Autor dem Leser fantastisch nahebringen kann. Man hat stellenweise das Gefühl, das alles selbst zu sehen.

Die Gespräche der beiden sind ehrlich und sie erzählen über sich und ihr trostloses und einsames Leben, das sie trotz der Menschen um sie herum führten.
Sie lernen auf ihrer Fahrt Menschen kennen, die offen auf sie zugehen und die ihnen auch behilflich sind, die Klara sogar vor ihrer Familie schützen.

Obwohl das Buch humorvoll geschrieben ist, lässt es doch einen Tick Ernsthaftigkeit zu. 
Es hat zwei absolut sympathische Protagonisten, die man gern in seinem Freundeskreis hätte.
Das Buch handelt von Vertrauen und Freundschaft wie auch dem Bedürfnis nach Selbstfindung- und -verwirklichung.

Ich fühlte mich mit diesem Buch gut unterhalten und empfehle es gern weiter.

Bewertung:





Zum Autor:
(Text übernommen von Ullstein)
Florian Herb, 1971 in Berlin geboren, lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen im Allgäu. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit begeistert er sich für Musik, Fotografie, Film, Theater, den VFB Stuttgart und die Tücken des menschlichen Zusammenlebens.

Von Florian Herb wurden gelesen und rezensiert:

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An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Autor



bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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