Freitag, 25. September 2015

[Rezension] Philip Kerr - Winterpferde


Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 288
ISBN: 978-3-499-21715-9
Erscheinungstermin:
25. September 2015
Preis:
16,99 EUR (D)
Format:
Hardcover
Verlag: Rowohlt


Klappentext gem. Rowohlt:
Es ist ein eisiger Winter 1941 auf Askania-Nowa, wo sich das jüdische Mädchen Kalinka versteckt hält. Hier in dem alten Naturreservat leben auch die seltenen Przewalski-Pferde. Sie scheinen zu spüren, dass Kalinka eine von ihnen ist – denn wie Kalinka sind sie in großer Gefahr vor den Nazis, die Askania-Nowa besetzen.

Mit Hilfe des treuen Tierwärters Max flieht Kalinka mit zwei Pferden und einem Wolfshund Hunderte von Kilometern über die weiße Steppe der Ukraine. Doch können ein Mädchen und drei Tiere der Übermacht der Deutschen entkommen?

Spannend und stimmungsvoll erzählt Philip Kerr von der Flucht im ukrainischen Winter – aber auch davon, wie die Liebe zu den Pferden das erstarrte Herz eines einsamen Mädchens mitten im Krieg zu erwärmen vermag. 


Rezension:
Im Sommer 1941 ergriff die gesamte Belegschaft des staatlichen Naturreservates Askania-Nowa die Flucht. Lediglich der alte Maxim Borisowitsch Melnik blieb. Eigentlich sollte er, auf Befehl des obersten Leiters des Reservates, alle Tiere desselben töten, um den Nazis keine Möglichkeit zu geben, in dem Reserverat den Winter zu überstehen - doch Max brachte diese Tat nicht über sein Herz, denn auch seine geliebten Przewalski-Pferde hätte er töten sollen. Max hat generell keine schlechte Meinung von den Deutschen, denn immerhin war es ein Deutscher gewesen, Baron Ferdinand von Anhalt-Köthen, der das Reservat 1828 gegründet hat und Max selbst hat noch unter dessen Urenkel gearbeitet. Durch diesen glücklichen Zufall beherrscht er die deutsche Sprache.

Nicht lange nach der gemeinschaftlichen Flucht der Belegschaft hat die SS tatsächlich Askania-Nowa erreicht. Max wähnt immer noch Hoffnung, ist ihr Anführer, Hauptmann Kaspar Grenzmann, ein absoluter Pferdenarr - vielleicht, nur vielleicht, kann Max so seine Przewalski-Pferde retten, doch sobald die Deutschen vor Ort sind, stillen sie ihren Hunger an allen Tieren des Reservates. Nur die Przewalski-Pferde, die unglaublich schnell, ausdauernd und schlau sind, sind ihnen bisher immer entkommen. Doch so alleine, wie Max sich neben den Deutschen im Reservat wähnt, ist er nicht. Eine junge Frau versteckt sich dort. Bisher konnte sie von dem, was sie im Reservat vorfand, überleben, doch langsam wird es immer kälter - der Winter steht vor der Tür. Auch sie ist fasziniert von den Przewalski-Pferden und diese sind in ihrer Nähe, anders als sonst üblich, nicht scheu.

Als der Winter schlussendlich einbricht, erschießen die Deutschen jedes Tier, dass ihnen vor die Flinte läuft. Die Rote Armee ist im Anmarsch, das wissen sie, doch bevor sie fliehen, wollen sie ihre Befehle ausführen - wozu auch die völlige Vernichtung der Przewalski-Pferde zählt, denn diese wurden als minderwertige und somit verbotene Rasse gelistet und gehören ausgerottet. Sosehr Max auch interveniert, er kann seine Pferde nicht retten. Er weiß lediglich von einem Paar, dass den Soldaten entkommen ist und so ist die Freude umso größer, als eines abends die junge Frau mitsamt den beiden Pferden vor Max Hütte steht. Kalinka selbst weiß, dass ihre Chance, den Winter ohne Hilfe im Reservat zu überleben, gering sind, doch als sie bemerkt, dass die Stute verletzt ist, weiß sie, dass sie unbedingt Hilfe für sie organisieren muss. Schon länger hatte sie den alten Mann beobachtet und weiß um seine Zuneigung zu den Pferden, also nimmt sie all ihren Mut zusammen und wendet sich an ihn. Wider erwartend erklärt er sich sofort bereit, ihr und den Pferden zu helfen - sieht er doch in der Rettung der Pferde, die Rettung der Rasse, denn immerhin sind sowohl eine Stute und ein Hengst entkommen und das Mädchen, so wie sie mit den Pferden umgeht, verdient auf jeden Fall ebenfalls, gerettet zu werden. Max weiß, dass er mit diesem Handeln, sollte dies jemals der SS-Hauptmann erfahren, sein Todesurteil unterschrieben hat - doch ist es das Risiko nicht wert, um diese seltene Rasse und die junge, eindeutig jüdische, Frau zu retten? Max entschließt sich, ihnen zu helfen und ihnen die Flucht zu ermöglichen - doch dann wird seine Tat entdeckt ...


Was würdest du tun, um das zu retten, was dir am Herzen liegt? Der Plot wurde spannend und bildgewaltig erarbeitet. Tatsächlich gelang es mir durch die anschaulichen Beschreibungen, mir die Szenen jederzeit vor Augen zu führen. Die Figuren wurden facettenreich und authentisch erarbeitet. Besonders beeindruckt hat mich die Figur des Max, der wirklich alles tun würde, um eine Tierart vor dem Aussterben zu retten und dabei sind ihm die Tiere gegenüber noch nicht einmal zutraulich, anders als bei Kalinka. Max, der keine eigene Familie hat, nimmt sich derer an, die seine Hilfe brauchen und obwohl ihm bewusst ist, welche Risiken er eingeht, kann er einfach nicht anders handeln, als seinem Gewissen zu folgen. Den Schreibstil empfand ich als sehr fesselnd und realistisch erarbeitet, sodass ich mich gar nicht mehr von dem Buch lösen konnte und es in einem Rutsch auslesen musste.

Bewertung

Der Autor:
Philip Kerr wurde 1956 in Edinburgh geboren. 1989 erschien sein erster Roman «Feuer in Berlin». Aus dem Debüt entwickelte sich die Serie um den Privatdetektiv Bernhard Gunther. Diese Reihe führte Kerr mit den Romanen «Das Janusprojekt», «Das letzte Experiment», «Die Adlon-Verschwörung», «Mission Walhalla» und «Böhmisches Blut» fort. Für «Die Adlon Verschwörung» gewann Philip Kerr den weltweit höchstdotierten Krimipreis der spanischen Mediengruppe RBA und den renommierten Ellis Peters-Award. (übernommen von Rowohlt)


Wie ich zu dem Buch kam:
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim Verlag

http://www.rowohlt.de/

bedanken, der mir dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat.

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