Donnerstag, 12. Februar 2015

[Rezension] Andreas Dresen - Wilhelmstadt. Die Abenteuer der Johanne deJonker - Die Maschinen des Saladin Sansibar (Band 1)



Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 264 
ISBN: 978-3-862-82274-4
Erscheinungstermin:
14. Juli 2014
Preis: 1
2,90 EUR (D)
Format: Taschenbuch
Verlag: ACABUS

Klappentext gem. Acabus:
Wilhelmstadt, 1899. Das stählerne Venedig Deutschlands. Eine dem Braunkohle-Rausch verfallene, hochindustrialisierte Stadt als Schauplatz einer verschwörerischen Intrige inmitten von Dampfmaschinen und mechanischen Apparaturen.
Mitten in der Nacht versinkt die „Juggernauth“ in den Fluten des Rheins. An Bord ist auch der Neffe von Kaiser Wilhelm II. Nur der Ingenieur Julius deJonker überlebt das Unglück, liegt aber unwiederbringlich im Koma. Trotzdem zeichnet der Kaiser ihn verantwortlich für die Katastrophe und enteignet ihn all seiner Besitztümer.
Nur seine Tochter Johanne ist von der Unschuld ihres Vaters überzeugt. Verarmt, aber voller Entschlußkraft, macht sie sich zusammen mit Miao, einer verstoßenen Luftnomadin mit einem Dampfbein, auf die Suche nach den wahren Schuldigen. Doch der Geheime Kommerzienrat Oppenhoff setzt alles daran, ihre Suche zu vereiteln und seine Spuren zu verwischen.


Rezension:
1877 wurde Wilhelmstadt offiziell von Kaiser Wilhelm gegründet. Acht herausragende Ingenieure waren an der Gründung dieser aufstrebenden Stadt beteiligt, die Herren deJonker, Oppenhoff, Vandenvries, von Eyth, Barabas, Motte, Pilow und Hessen. 22 Jahre später, im Jahr 1899, ist Wilhelmstadt die modernste Stadt des Kaiserreiches. Der alte Kaiser ist nicht mehr, doch die Stadt wächst und gedeiht weiter, in ihr werden Erfindungen gemacht, die die Welt noch nicht gesehen hat. Nicht alle Ingenieure sind weiterhin aktiv an der Weiterentwicklung der Stadt beteiligt. Einige sind bankrottgegangen oder es ereilte sie an anderes Unglück.

Bis vor kurzem war Julius deJunker jedoch nach wie vor ein erfolgreicher Ingenieur, doch dann geschah ein Unglück. Bei einem Experiment auf dem Schiff Juggernauth ging dieses unter - nur Julius überlebte schwer verletzt. Er liegt seitdem im Koma. Doch das war noch nicht einmal das schlimmste an der Tragödie. Mit an Bord der Juggernauth befand sich Carl Anton von Sachsen-Meiningen, der Lieblingsneffe des Kaisers. Auch dieser kam ums Leben, doch seine Leiche wurde bisher nicht geborgen. Auf Grund dieses Unglücks verlor die Familie deJunker alles, ihr gesamtes Hab und Gut, ihre Titel, ihr Vermögen, ihre Würde. Auguste deJunker ertrug diesen Ruin nicht und starb an gebrochenem Herzen. Die einzige Tochter des Ehepaares, Johanne, befand sich zum Zeitpunkt der Tragödie außer Landes - nach ihrer Rückkehr muss sie nun in dieser für sie völlig neuen Welt zurechtkommen. Hilfe erhält sie vom Grafen von Eyth, einem der Mitbegründer von Wilhelmstadt, engstem Freund ihres Vaters und Johannes Patenonkels. Auch dieser kann sie nicht vor dem sozialen Abstieg bewahren, doch dank seiner Hilfe haben sie und ihr Gefolge, bestehend aus Josef, dessen Frau Marianne und Johannes Leibwächterin Miao, wenigstens ein Dach über dem Kopf.

Für Johanne steht fest, dass ihr Vater keinesfalls Schuld an diesem Unglück haben kann, zu genau war er in seinen Planungen und Durchführungen. Es muss einen anderen Grund gegeben haben, warum die Juggernauth unterging. Ihr einziges Lebensziel ist von nun an: Rache und Gerechtigkeit für ihre Familie. Zwar kann sie erste Indizien für eine Verschwörung sammeln, doch echte Beweise hat das nicht. Nur ihr Vater könnte alles aufklären, doch dieser liegt im Koma und ist nicht ansprechbar. Dann erfährt Johanne durch Zufall von Saladin Sansibar, der die Gedanken von Menschen offenbaren kann. Johanne weiß sofort, dass dies die einzige Möglichkeit ist, an die Erinnerungen ihres Vaters zu kommen. Tatsächlich willigt Saladin Sansibar ein, der jungen Frau zu helfen, doch was sich dann offenbart, wirft mehr Rätsel auf, als Johanne jemals vermutet hätte. Wird sie jemals den guten Namen ihrer Familie wieder herstellen und Rache nehmen können?


Der 1. Band der Johanne-deJunker-Reihe! Der Plot wurde spannend und abwechslungsreich erarbeitet. Immer wieder fasziniert bin ich davon, wie der Autor die Symbiose zwischen Historie und SciFi geschafft hat, denn so wie er diese in seinem Roman geschildert hat, wirkt diese so wirklichkeitsnah, dass man sich unwillkürlich fragt: warum hatten die Menschen früher nicht solche Erfindungen? Die Figuren wurden facettenreich und authentisch erarbeitet, wobei natürlich die Figur der Protagonistin Johanne deutlich hervorsticht. Diese ist, entgegen der damaligen gesellschaftlichen Normen, nicht unbedingt das, was man als folgsames Töchterchen kennt, sondern hat ihren eigenen Kopf und sie ist auch bereit, diesen zu riskieren, wenn sie der Meinung ist, dass die Sache es wert ist. Den Schreibstil empfand ich als sehr spannend erarbeitet, sodass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte und es am Stück gelesen habe. Nun bin ich sehr gespannt, wie es mit Johanne weitergeht, aber ich denke, von der jungen Frau dürfen wir noch einiges erwarten.

Bewertung
Von Andreas Dresen bereits gelesen und rezensiert:


Der Autor: 
Andreas Dresen, Jahrgang 1975, lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Aachen. Schon immer war er von fremden Welten fasziniert - von der wilden Atlantik-Küste Südirlands genauso wie von den Sagen und Legenden seiner Heimat. Bereits in seinem Debütroman 'Ava und die STADT des schwarzen Engels' - ebenfalls im ACABUS Verlag erschienen - findet sich eine fesselnde, gleichsam skurrile und charmante Mischung aus Fantasy-Elementen, klassischer Mythologie und einem scharfen Blick für die Kuriositäten der Gesellschaft und des Alltags.
In seinem zweiten Roman 'Das Buch des Hüters' entwirft Andreas Dresen eine post-apokalyptische Welt zwischen seelenloser Industrialisierung und 'Ökofaschismus', in der sich neben Menschen auch Mutanten und gefährliche 'Viecher' tummeln. Ein fantastischer Roman über den verantwortungsvollen Umgang miteinander - spannend, unterhaltsam und außergewöhnlich erzählt.
Mit den Abenteuern der Johanne deJonker folgt nun ein mehrteiliges Steampunk-Werk. (übernommen von Acabus)

Zur Homepage des Autoren kommt ihr hier.


Wie ich zu dem Buch kam:
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim



bedanken, der mir dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat.

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