Mittwoch, 3. Dezember 2014

[Rezension] Jutta Maria Herrmann - Hotline


Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 336
ISBN: 978-3-426-51456-6
Erscheinungstermin: 3. November 2014
Format: Taschenbuch

Verlag: Knaur


Klappentext gem. Knaur:
Keine Polizei - never ever. So lautet die unumstößliche Maxime der Beichthotline. Aber was tun, wenn eine Anruferin ankündigt, ihr neugeborenes Kind lebendig zu vergraben? Ein schlechter Scherz, konstatiert Chris, Initiator der Hotline, als seine Freunde und Kollegen statt einer Kinderleiche eine lebensgroße Puppe auf dem Friedhof ausgraben. Dann meldet sich die mysteriöse Anruferin erneut und verkündet, dies sei erst der Anfang ...


Rezension:
Christian „Chris“ Stein, Doktor der Psychologie, hat mit seiner Beicht-Hotline eine innovative und bis dato noch nie dagewesene Geschäftsidee ins Rollen gebracht – eine Hotline, bei der die Menschen anrufen können, um ihre Sünden zu beichten. Sollten die Anrufer nur ungern persönlich bei einem anderen Menschen beichten, steht ihnen alternativ auch ein Band zur Verfügung. Soweit so gut und tatsächlich, die Idee war so neu und einzigartig, dass sogar die Presse groß darüber berichtet hat. Von diesem Zeitpunkt an standen die Leitungen so gut wie nicht mehr still. Doch nach dem Boom wurde es ruhiger. Zwar gelingt es Chris noch, kostendeckend zu arbeiten, aber einen „Verdienst“ in dem Sinne gibt es nicht mehr. Chris zur Seite stehen sein Jugendfreund Richard „Rick“ Winter, Konrad und dessen hochschwangere Freundin Paula. Alle zusammen bilden sie das Grundgerüst der Beicht-Hotline und es gibt nur eine Maxime: Nicht (ver)urteilen und keine Polizei – never ever!!!

An einem Abend im Frühjahr, der Winter ist noch nicht lange vorbei, hat Rick Dienst an der Beicht-Hotline und erhält einen Anruf, der sein Leben und das seiner Freunde verändern wird. Eine Frau ruft mit unterdrückter Nummer an und kündigt an, ein neugeborenes Kind lebendig auf dem Friedrichshainer Friedhof zu vergraben – dann legt sie auf. Rick ist mehr als erschüttert und da er Chris telefonisch nicht erreichen kann, tut er das, was absolut untersagt ist: Er meldet diesen Vorfall bei der Polizei. Diese teilt ihm jedoch lediglich mit, dass sie nichts tun können, bevor nicht ein Verbrechen verübt wurde und so ist Rick auf sich allein gestellt. Doch dieser Anruf lässt ihm keine Ruhe und so beschließt er, der Sache auf den Grund zu gehen. Ihm zur Seite steht die hochschwangere Paula, die ebenfalls entsetzt über die angekündigte Tat ist, zumal sie selbst die Geburt ihres Kindes kaum erwarten kann, will sie diesem doch eine Kindheit ermöglichen, die sie selbst nie gemacht hat.

Schlussendlich finden sich beide nachts auf dem Friedhof ein, doch anstelle eines vergrabenen Neugeborenen, finden sie lediglich eine Puppe – ein makabrer Scherz? Diese Hoffnung keimt nur kurz in Rick auf, denn die Frau meldet sich erneut bei ihm und gibt ihm zu verstehen, dass das erst der Anfang war und tatsächlich, nach und nach geschehen immer merkwürdigere Dinge. Der Gesundheitszustand von Ricks Mutter, die seit dem Verschwinden von Ricks Schwester Marie vor sechs Jahren unter schweren Depressionen leidet, verschlechtert sich Zusehens, sodass auch sein Vater sich bald keinen Rat mehr weiß, Konrad und Paula haben beide unterschiedliche Vorstellungen von der gemeinsamen Zukunft und Chris wird von Zukunftssorgen geplagt, denn die Hotline ist sein „Baby“, das er um jeden Preis zum Erfolg führen will. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt, die Anruferin hat Pläne, an deren Ausführung sie nichts und niemand hindern wird, auch nicht die Teammitglieder der Beicht-Hotline, koste es, was es wolle …


„Ich werde ein neugeborenes Kind vergraben. Lebendig vergraben.“ (S. 20) Der Plot des Buches wurde spannend und authentisch erarbeitet. Gerade mir als Berliner war es eine Freude, den Figuren durch das mir bekannte Berlin zu folgen, denn zu meinem allergrößten Glück spielte das Buch fast durchgängig in den Gegenden, die mir ebenfalls vertraut sind. Auch fand ich die erzählerische Darstellung aus verschiedenen Perspektiven als sehr spannend, denn so erfuhr ich als Leser, was im Team der Beicht-Hotline vor sich ging, wie auch im Kopf der Anruferin und bereits nach einigen Seiten konnte ich erahnen, dass die Frau es alles andere als gut mit ihrer Umgebung meint bzw. mit den Menschen, die ihren Plänen im Weg stehen. Leider war für mich relativ schnell ersichtlich, wie sich die Geschichte auflösen würde und genauso ist es gekommen. An dieser Stelle hätte ich mir gerne noch ein paar falsche Fährten  gewünscht, die mich in die Irre geführt hätten. Den Schreibstil an sich empfand ich als sehr spannend und fesselnd zu lesen, gerade die perspektiven Wechsel des Erzählstils haben mir sehr gut gefallen. Die Figuren wurden facettenreich und anschaulich erarbeitet, wobei mein Herz hier eindeutig für die Figur des Rick, der so manches Päckchen mit sich herumzutragen hat, geschlagen hat, denn trotz seiner eigenen Sorten, versteht er es ganz wundervoll, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und er steht seinen Freunden und seiner Familie immer zur Seite. Leider befürchte ich, dass es solch einen (Traum-)Mann wohl doch nur in der Literatur gibt. Ich würde mich jedoch sehr freuen (und gebe meine Hoffnung an dieser Stelle zum Ausdruck) wenn ich Rick nochmals wiederlesen würde.


Bewertung

  
Zur Autorin: 
(Text übernommen von Knaur)
Mitte der Achtziger strandete die Saarländerin Jutta Maria Herrmann in Berlin, studierte Germanistik und Filmwissenschaften, sympathisierte mit der Hausbesetzerszene und stürzte sich ins Nachtleben. Sie war u.a. als Buchhändlerin, Putzfrau, Sekretärin, Synchrondrehbuch-Autorin und Veranstalterin von Punkkonzerten tätig. Heute arbeitet sie für eine Tageszeitung und lebt mit ihrem Mann, dem Autor Thomas Nommensen, vor den Toren Berlins. Ihr Psychothriller „Hotline“ ist im Knaur Verlag erschienen.


 



Wie ich zu dem Buch kam:
Auf diesem Wege möchte ich mich recht herzlich bei der Autorin 
und bei der



bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Keine Kommentare: