Samstag, 16. August 2014

[Rezension] Kerstin Hohlfeld - Ein Weg zurück



Leseprobe 



Eckdaten:
Broschiert: 277 Seiten
Verlag: bookshouse (20. Juni 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 9963523072
ISBN-13: 978-9963523078
Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,2 x 1,8 cm

Inhalt gem. Bookshouse:
Alles scheint perfekt im Leben von Irina von Lehnberg. Die prominente Berliner Radiomoderatorin hat ihren Traumjob, verkehrt in den besten Kreisen und ist glücklich liiert. Doch dann erreicht sie ein Brief, der alles verändert. Fünfundzwanzig Jahre, nachdem sie als Mädchen aus einfachen Verhältnissen überstürzt die DDR verlassen hat, reist sie zurück in ihre Vergangenheit. Sie begegnet den Menschen, die sie damals im Stich gelassen hat, und stellt sich ihren bedrückenden Erinnerungen. Schon bald begreift sie, dass nach dieser Reise nichts mehr wie vorher sein wird.

Ein Roman über die Macht der Vergangenheit und die zwei Hälften eines Lebens, die nur zusammen ein Ganzes bilden.

Zum Buch:
Irina von Lehnberg ist eine angesagte Berliner Radiomoderatorin, die ihr Leben im Griff hat. Sie hat Jens, ihren Freund, und eine Arbeit, die ihr Spaß macht.
Da erreicht sie ein Brief aus ihrer Vergangenheit, die sie 25 Jahre versucht hat zu vergessen. Ein Brief aus einer Zeit, wo sie noch Kathrin Neumann hieß und ein Mädchen, dessen Eltern Alkoholiker waren.
Ihre ehemalige Freundin Viola schrieb ihr, dass die Gräfin von Lehnberg im Sterben liegt. Diese war es, die ihr das Leben damals erträglich machte.
Soll sie es wagen und sich ihrer Vergangenheit stellen? ...

Eine Reise in die Vergangenheit, die nicht nur Kathrin macht, sondern den Leser gleich mitnimmt.
Sie führt zurück in die 80er Jahre nach Biebersleben, einem Dorf in der Nähe von Magdeburg. Dort verbrachte Kathrin ihre Kinder- und Jugendzeit. Als Kind von Alkoholikern wurde sie von allen gemieden. Sie trug alte abgenutzte Kleidung, da ihren Eltern Alkohol und Zigaretten mehr bedeuteten, als ihr Kind ordentlich einzukleiden. Auch regelmäßiges Essen war eher eine Seltenheit.
Ihre Schulkameraden mieden sie, weil sie stank und zerrissene Kleidung hatte. Und doch fand sie Freunde. Viola, Nicole und Jana wurden Freundinnen und spielten zusammen, gemeinsam durften sie auch die Gräfin von Lehnberg besuchen und dort spielen. 
Sie verband eine enge Freundschaft, die sie Jahre lang verband.
So herzlich die Freundschaft auch war, wird diese von Kathrin verraten. Daraufhin verlässt sie von einem Tag auf den anderen Biebersleben, nennt sich fortan Irina von Lehnberg und schaut 25 Jahre lang nicht zurück.

Kerstin Hohlfeld gelingt es, den Leser in eine Zeit zu geleiten, die vielen der ehemaligen DDR-Bürger Erinnerungen bescheren, die vielleicht schon vergessen oder verschüttet waren. Mir ging es so, einiges war nicht mehr so präsent, anderes hatte ich genauso in Erinnerung.

Kathrin, die der Leser als Irina kennenlernt, ist in der Gegenwart scheinbar eine glückliche und zufriedene Frau. Aber sie ist auch eine Frau, die sich erst seit 1989 so profiliert hat. Ihre Vergangenheit hat in ihrem gegenwärtigen Leben keine Bedeutung und auch keinen Bestand.
Das ändert sich alles mit einem Brief und einem folgenden Besuch in ihrer Heimatstadt Biebersleben.
Sie trifft frontal auf ihre Vergangenheit, obwohl sich dort auch vieles geändert hat. Sie begegnet alten Freunden und Bekannten und stellt sich ihrer Schuld, die sie vor 25 Jahren auf sich genommen hat.

Es wird eine Begegnung mit sich selbst. 

Kerstin Hohlfeld gelingt es mühelos, den Leser am Leben von Kathrin teilhaben zu lassen. Ich habe mit der kleinen Kathrin Mitleid gehabt, einem kleinen Mädchen, das anfangs nichts hat außer der Freundschaft zu dem Jungen Ben, genannt Hase, der wegen seiner Hasenscharte genauso im Dorf von Kindern und Jugendlichen geächtet war wie sie.
Ich habe mich für sie gefreut, als sie Freundinnen gefunden hatte und eine rettende Hand, die von der Gräfin kam.
Als sie durch den Verrat an ihrer Freundschaft zu Viola alles zunichte gemacht hatte, hätte ich sie schütteln können.

Es ist eine Geschichte, die zeigt, dass man alles schaffen kann, auch wenn Widrigkeiten den Weg pflastern.
Es ist aber auch eine Geschichte, die mich viele Emotionen hat ausleben lassen. Von fassungslos bis zu Tränen gerührt war alles bei. Ich bin wirklich nah am Wasser gebaut, so dass ich mehr als einmal Tränen in den Augen hatte. Was habe ich mit Kathrin gebangt und gehofft.

Es ist ein Buch, das unter die Haut geht. Als Leser durfte ich miterleben, wie aus der zerrissenen Kathrin / Irina wieder ein Mensch wurde, der mit sich eins ist.
Erinnerungen wurden wieder aufgefrischt oder geben für Unwissende einen kleinen Einblick in das Leben der ehemaligen DDR.

Im Nachhinein empfinde ich jedoch die Gestaltung des Covers als unglücklich, da es zum Inhalt des Buches so gar keinen Bezug hat. Schade, denn im Normalfall gefallen mir die Cover des Verlages.

Wer die Bücher von Kerstin Hohlfeld um die Protagonistin Rosa Redlich mochte, für den ist dieses Buch einfach ein Muss. 
Wer sie noch nicht kennt, sollte das ändern, denn sie auch für dieses Buch vergebe ich eine klare Kaufempfehlung.
  

Bewertung:


Zur Autorin:
(Text übernommen von Bookshouse)
Kerstin Hohlfeld wurde 1965 in Magdeburg geboren. Nach Abitur und Berufsausbildung studierte sie Theologie in Naumburg und Berlin. Seit 1991 lebt sie, zusammen mit ihrem Mann, zwei Töchtern, einem Sohn und zwei Katern, in Berlin. Nach einer bunten Mischung von Jobs und weiteren Ausbildungen widmet sie sich vorrangig dem Schreiben von Romanen.
Ich über mich: Mein erstes Buch entstand, als ich elf Jahre alt war. Es heißt "Das Wunderland" und hat noch heute einen Ehrenplatz in meinem Bücherschrank. Seine Heldin, ein kleines Mädchen mit blonden Haaren, verschlägt es in ein schillerndes Land voller wunderlicher Wesen, Hexen und Zauberer, in dem es jede Menge Abenteuer bestehen muss. Wem das bekannt vorkommt: Na klar, mein erstes Werk ist beeinflusst von den wunderbaren Büchern des russischen Autors Alexander Wolkow. "Der Zauberer der Smaragdenstadt" war, neben den Lederstrumpferzählungen von James. F. Cooper, meine absolute Lieblingslektüre. Mein zweites, allerdings unvollendetes Buch, war ganz folgerichtig ein Indianerroman. Ich bin in der DDR aufgewachsen, relativ sorglos, auf dem Land, in der Nähe der Stadt Magdeburg. Äußerlich litt ich keinen Mangel, doch ich fühlte mich eingesperrt. Ich wusste, dass keine fünfzig Kilometer von meinem Heimatdorf entfernt die Welt für mich zu Ende war, ich niemals die andere Hälfte Deutschlands, geschweige denn Italien, Spanien und den Rest der Welt sehen würde. Also machte ich aus der Not eine Tugend und schickte meine Fantasie auf Reisen. Da kamen ein Wunderland und der Wilde Westen meinem Fernweh gerade recht. Die Gedanken sind schließlich frei. Als 1995 meine erste Tochter geboren wurde, habe ich meinen alten Traum vom Schreiben wiederbelebt. Der Weg zum ersten veröffentlichten Buch war lang und steinig und ich machte meinem Sternkreiszeichen Krebs alle Ehre - ein Schritt vor, zwei Schritte zurück. Jedes neue Manuskript ist eine Riesenherausforderung. Dennoch kann ich mir keinen schöneren Beruf vorstellen. Auch wenn die Welt sich unterdessen geändert hat und ich ferne Länder gelegentlich in der Realität genieße - meine Fantasie ist mir geblieben, angereichert um einige Lebenserfahrung. Schön zu wissen, dass manche Träume sich erfüllen. Geduld, Glück und ein bisschen Ehrgeiz gehören allerdings dazu.

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei


bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

Von Kerstin Hohlfeld wurden gelesen und rezensiert:
Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

1 Kommentar:

Sabine Büchersüchtig hat gesagt…

Schöne Rezension, aber ich warte lieber auf den 4. Rosa-Band. Das Cover und der Inhalt sprechen mich leider nicht wirklich an.

Liebe Grüße
Sabine