Montag, 17. Februar 2014

[Rezension] Christine Kabus - Töchter des Nordlichts




Leseprobe



Eckdaten:
Taschenbuch: 560 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: Aufl. 2014 (14. Februar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404168844
ISBN-13: 978-3404168842
Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,6 x 3,6 cm

Inhalt gem. Bastei Lübbe:
DURCH EIN JAHRHUNDERT GETRENNT, DURCH EINE GEMEINSAME GESCHICHTE VEREINT ...
Oslo, 2011. Nora ist Mitte dreißig, als sie den Namen ihres Vaters erfährt: Ánok, ein samischer Student, der damals plötzlich aus dem Leben ihrer Mutter verschwand. Nora spürt, dass sie ihr Glück erst finden wird, wenn sie in die Heimat ihres Vaters reist. Doch die Sami und ihre Kultur erscheinen ihr lange fremd. Bis sie auf den charismatischen Hundezüchter Mielat trifft ...
Finnmark, 1915: Mit neun Jahren endet das friedliche Nomadenleben des Sami-Mädchens Áilu: Auf der Wanderung zu den Sommerweiden wird sie von norwegischen Beamten verschleppt und in ein Internat gesteckt, wo sie zu einem zivilisierten Mädchen geformt werden soll. Tatsächlich verleugnet Áilu lange ihre Herkunft. Doch der Ruf ihrer Heimat lässt sich nicht für immer zum Verstummen bringen ...

Zum Buch:
Finnmark 1915: Gerade als Áilu, das kleine Sami-Mädchen denkt, dass sie ihrem Vater eine große Stütze ist und er sich an ihr als Hilfe erfreut, wird sie während der jährlichen winterlichen Rentierwanderung den Eltern von den staatlichen Behörden entrissen und in ein Heim gesteckt. Sie ist dort nicht allein, viele Kinder der Samis wurden eingesammelt und sollen dort lernen. Sie fühlen sich verloren, denn niemand nimmt sie in den Arm oder spricht auf samisch mit ihnen, dort gibt es nur die Sprache der Norweger und die beherrschen die Sami nicht. Sie bekommen andere Namen, so dass aus Áilu Helga wird, werden geschlagen und drangsaliert vom Personal. Menschlichkeit gibt es dort nicht.
Áilu, die der Meinung ist, dass ihre Eltern sie vergessen und abgeschrieben haben, beginnt diese zu hassen. Sie will flüchten, aber es kommt anders, sie wird in ein Waisenheim auf einer Insel untergebracht, obwohl sie immer verlauten lässt, dass sie keine Waise ist.
Nach einigen Jahren wird sie schließlich von Gunnar und Solveig adoptiert und ihr Schicksal scheint sich zu wenden ...

Oslo 2011: Nora erfährt erst jetzt im Erwachsenenalter von ihrer Mutter, wer ihr Vater ist und dass sie samische Vorfahren hat. Ihre Mutter hatte seit ihrem Weggang aus dem Elternhaus keinen Kontakt mehr zu ihnen. Nun lebt nur noch ihr Bruder und sie hat Bedenken, mit ihm in Kontakt zu kommen. Nora ist da weniger sensibel und macht ihn ausfindig. Kurz darauf fährt Nora mit ihrer Mutter zu deren Bruder und dort müssen sie dann eine Wahrheit aufnehmen, die alles ändert. Nora und ihr damaliger Freund Ánok, ein Sami, fielen der Intrige ihres Vaters zum Opfer. Er hatte verhindert, dass diese ein Paar werden. 
Nora recherchiert, wo ihr Vater abgeblieben sein könnte und sie machen sich auf den Weg zu ihm. Leider kommen sie zu spät, denn er war gerade verstorben. Ihre Großmutter und auch Ánoks Bruder nehmen sie gern in die Familie auf und auch hier treffen sie wieder auf eine Lüge ihres Großvaters.
Aber nicht jeder ist erfreut über das Auftauchen von Nora und ihrer Mutter ...

Eine wunderschöne einfühlsame Geschichte, die in Norwegen spielt.

Die Geschichte spielt in 2 Zeitebenen, 1915 und 2011.
Die Geschehnisse ab 1915 erzählen von dem samischen Mädchen Áilu, die ihren Eltern entrissen wurde und Helga genannt wurde. Eine geschichtsträchtige Zeit, in der die Norweger massiv gegen die Ureinwohner und Minderheit der Sami, früher die Lappen genannt, vorgegangen sind. 
Dieser Konflikt wurde zwar später ein wenig im Buch angesprochen, aber für meinen Begriff zu spät, so dass mir anfangs die Informationen darüber fehlten, warum sie die Kinder den Eltern weggenommen haben. So sah ich mich genötigt, mir die Informationen vorab bei Google einzuholen, um die Zusammenhänge begreifen zu können. An der Stelle hätte ich mir ein wenig mehr Informationen gewünscht.
Áilu, die lange nicht akzeptieren will, dass sie nunmehr Helga sein soll, kann ihre samischen Wurzeln lange nicht verleugnen. Jahre später lebt sie eine Lüge, indem sie ihre Herkunft verleugnet, was ihr aber auch kein Glück bescheren sollte. Die Vorurteile der Minderheit gegenüber hat sich festgesetzt in den Köpfen der Menschen.

Aber auch gegen Ende des 20. Jh., ja selbst bis ins 21. Jh. hinein bestehen diese Vorurteile. Noras Großvater, den sie nie kennenlernte, verhinderte seinerzeit, dass ihre Eltern ein Paar werden konnte. Durch gezielt eingesetzte Lügen gab es für die beiden keine Zukunft.
Als Nora nun die Familie ihres Vaters kennenlernt, muss sie feststellen, dass auch aus der Reihe der Sami Vorbehalte den Norwegern gegenüber bestehen und auch diese vehement bekämpft werden.
Aber auch der Liebe begegnet Nora dort und das in Form eines Sami.

Sehr gelungen erzählt die Autorin die beiden Geschichten, die von Vergangenheit und Gegenwart, die sich zu einem logischen Ende vereinen. Sie erzählt aber nicht nur die Lebensgeschichte der kleinen Áilu, sondern zeigt auch ganz offen den Konflikt zwischen Sami und Norwegern auf, der sich bis in die Gegenwart zwar in den Köpfen der Menschen gehalten hat, dieser aber auf politischer Ebene entschärft wurde.
Es ist eine Geschichte um Liebe und Verrat, Vertrauen und Fürsorge, aber auch eine des Neides, der Eifersucht und der Lügen. 
Die geschichtlichen Details wurden sehr gut recherchiert und können vom Leser sehr gut nachvollzogen werden.
Obwohl dieses Buch unabhängig zum Buch "Im Land der weiten Fjorde" gelesen werden kann, habe ich im Nachhinein bedauert, dass ich die Vorgeschichte von Nora nicht kannte. Leider ist mir das erst nach der Lektüre bewusst geworden, dass es bereits einen Band dazu gab.
Aber das schmälerte meinen Spaß am Lesen in keinster Weise.
Ich hatte viel Lesevergnügen mit dem Buch und empfehle es sehr gern weiter.

Bewertung:


Zur Autorin:

(übernommen von Bastei Lübbe)
Christine Kabus, 1964 in Würzburg geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte als Dramaturgin und Lektorin bei verschiedenen Film- und Theaterproduktionen, bevor sie sich 2003 als Drehbuchautorin selbstständig machte. 

Schon als Kind zog sie der hohe Norden, den sie zunächst durch die Bücher von Astrid Lindgren und Selma Lagerlöf kennenlernte, in seinen Bann. Vor allem die ursprüngliche, mythische Landschaft Norwegens beflügelte ihre Phantasie. Sie begann, die Sprache zu lernen und sich intensiv mit der Geschichte Norwegens zu beschäftigen. Ihr erster Roman IM LAND DER WEITEN FJORDE ist eine Hommage an dieses faszinierende Land.


Von Christine Kabus wurden gelesen und rezensiert:
    

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Verlag
bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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