Samstag, 16. November 2013

[Rezension] Horst Eckert - Schwarzlicht



Leseprobe



Eckdaten:
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Wunderlich (20. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3805250576
ISBN-13: 978-3805250573
Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13 x 3,2 cm

Inhalt gem. Rowohlt-Verlag:
Walter Castorp ist tot.
Der Ministerpräsident von NRW, ertrunken in seinem Swimmingpool. Sechs Tage vor der Wahl.
Vincent Veih leitet die Ermittlungen. Der Hauptkommissar ist gerade erst zum Leiter des KK11 ernannt worden. Nicht alle Kollegen sind davon begeistert. Auch seine Mutter nicht. Die Ex-Terroristin hat den Großteil ihres Lebens in Haft verbracht. Sein Großvater hingegen wäre stolz auf ihn gewesen – doch das ist eine andere Geschichte …
Als alle Spuren auf einen Mord deuten, gerät Vincent auch unter politischen Druck. Doch er ermittelt gegen alle Widerstände. Denn Gerechtigkeit geht Vincent über alles. Auch wenn es bedeutet, dass er sich seiner eigenen Vergangenheit stellen muss …

Zum Buch:
Als der Ministerpräsident von NRW Walter Castorp tot in einem Pool aufgefunden wird, ist nach den ersten Ermittlungen klar, dass es sich um Mord handelt.
Der Pool gehört zu einem Penthouse, das ihm von dem Baulöwen Osterkamp zur Verfügung gestellt wurde.
Die Ermittlungen werden Vincent Veih übertragen, der gerade als vorläufiger Kommissariatsleiter eingesetzt wurde. 
Die Wahlen in NRW stehen vor der Tür und das Timing des Todes ist ausgesprochen schlecht. Walter Castorp wurde im Zusammenhang mit einem Abhörskandal in Verbindung gebracht und wollte eine Pressekonferenz geben, zu der es nicht mehr gekommen ist. Wollte er zurücktreten oder etwas offenbaren? Nicht jedem passt es, dass sein Tod mit Mord in Zusammenhang gebracht wird und das kurz vor der Wahl. 
Die Ermittlungen laufen und es wird einigen Personen auf die Füße getreten. Wird es Vincent Veih und seinem Team gelingen, den oder die Mörder zu fassen? ...

Eigentlich sind Politikthriller so gar nicht mein Ding. Horst Eckert ist es jedoch mit seinem Buch gelungen, mich durchgehend an der Stange zu halten.

Parallelen zu seinem Buch findet man im realen Leben, seien es die Themen Schwarzgeldkonten, Abhöraffären oder auch den Todesfall Barschel. Sein Roman ist zwar fiktiv, aber von der Aktualität oder auch Realität absolut nicht von der Hand zu weisen. 
Die Geschichte ist jederzeit nachvollziehbar und glaubwürdig.

Den provisorischen Kommissariatsleiter Vincent Veih erlebt der Leser nicht nur in seiner Tätigkeit als Ermittler zum Tod von Walter Castorp, sondern auch im Umgang mit seiner Mutter Brigitte, die 20 Jahre im Gefängnis saß, da man ihr Tätigkeiten im Zusammenhang mit der RAF nachweisen konnte.

Horst Eckert spricht mit seinem Roman auch einige Themen an, die mit den eigentlichen Ermittlungen zum Mordfall nichts zu tun haben. Zum einen erfährt der Leser viel über sein Verhältnis zu seiner Mutter, die ihn als Kind einfach bei Freunden zurück ließ. Letztendlich wuchs Vincent jedoch bei seinen Großeltern auf, bei denen er seine glücklichsten Jahre verbrachte. Dass Vincent und seine Mutter kein herzliches Verhältnis zueinander haben, liegt fast auf der Hand. 
Sein Großvater, selbst ehemaliger Polizist, hatte seine eigene Vergangenheit, von der Vincent nach dem Tod seiner Großeltern erfuhr. Der Autor ermöglicht dem Leser in diesem Zusammenhang einen Einblick in die Polizeiarbeit der 40-er Jahre im Zusammenhang mit der Judenfrage. Diese Thematik wird aufgrund einer Ausstellung gerade wieder aktuell und beschäftigt Vincent.
Auch erhält das Privatleben Vincents seinen Part in diesem Buch, so dass die Person Vincent Veih gut wahrgenommen werden kann.

Während der Ermittlungen zum Mord an Walter Castorp stößt er immer wieder gegen willkürlich errichtete Grenzen, die ihn stoppen, aber nicht aufhalten können, die Wahrheit zu finden.
Sehr gut zeigt der Autor die Machtverhältnisse zwischen Staatsapparat und Polizeibehörde auf, die ich persönlich beängstigend fand. 
Da fragt man sich wirklich, was ist wichtiger, Aufklärung eines Mordes oder Verschleierung, da es der Partei schaden könnte? Und der Arm reicht bis ins Kanzleramt. 
Ich für meinen Teil bin fest davon überzeugt, dass das nicht der Fantasie des Autors entsprungen ist, sondern aktuell tatsächlich der Realität entspricht.

Horst Eckert hat hier einen Thriller geschrieben, der verdammt nah an der Realität ist und den Leser nicht gerade beruhigt.
Detaillierte und fundierte Ermittlungen, die polizeitechnisch sehr gut recherchiert wurden, machen das Buch glaubwürdig und nachvollziehbar.
Die Spannung, die von Beginn an aufgebaut wurde, steigert sich und findet mit einer zumindest für mich überraschenden Auflösung ihr Ende.

Horst Eckert versichert, dass der Ermittler Vincent Veih keine Eintagsfliege bleiben wird, so dass man sich schon jetzt auf ein erneutes Treffen mit ihm freuen kann.
Für mich war es das erste Buch von Horst Eckert, aber mit Sicherheit nicht das Letzte.
Da es mir sehr gut gefallen hat, empfehle ich es auch sehr gern weiter.
  

Bewertung:


Zum Autor:
(Text übernommen vom Rowohlt-Verlag)
Horst Eckert, 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren, lebt seit 26 Jahren in Düsseldorf. Er studierte Politische Wissenschaft und arbeitete fünfzehn Jahre als Fernsehjournalist. 1995 erschien sein Debüt „Annas Erbe“. Seine Romane gelten als „im besten Sinne komplexe Polizeithriller, die man nicht nur als spannenden Kriminalstoff lesen kann, sondern auch als einen Kommentar zur Zeit“ (Deutschlandfunk). Sie sind in mehrere Sprachen übersetzt sowie preisgekrönt (u.a. Friedrich-Glauser-Preis für „Die Zwillingsfalle“, Krimi-Blitz für „Schwarzer Schwan“).




An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Verlag
bedanken, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

1 Kommentar:

Beatrix Petrikowski hat gesagt…

Den Leser durchgehend "an der Stange halten", das versteht der Autor. "Die Festung" und "Sprengkraft" sind auch zwei Thriller, die man unbedingt lesen sollte.