Freitag, 16. August 2013

[Rezension] Tanja Heitmann - Das Geheimnis des Walfischknochens



Leseprobe




Eckdaten:
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (19. August 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764504625
ISBN-13: 978-3764504625

Inhalt gem. Blanvalet-Verlag:
Eine alte Schuld. Eine neue Liebe. Ein Schicksal, das sich erfüllt ...
Beekensiel an der Nordsee, 1939. Der elfjährige Arjen lernt in den Dünen den Ausreißer Ruben kennen, der abenteuerliche Geschichten von einem Walfischknochen erzählt. Dieser soll Schicksale bestimmen können ... Es ist der Beginn einer einzigartigen Freundschaft – bis ein Sommertag alles verändert.
Jahrzehnte später reist Greta Rosenboom mit ihrem Großvater auf die Insel seiner Kindheit. Sie ahnt nicht, dass die windumtosten Strände Beekensiels eine alte Schuld bergen – und ein Geheimnis, das auch ihr Leben verändern wird …

Zum Buch:
Greta und ihr Großvater haben ein inniges Verhältnis zueinander. Er war immer für sie da, wenn sie ihn brauchte. Als ihr Großvater Arjen 85 Jahre alt wird, schenkt sie ihm Zeit. Zeit, die sie mit ihm zu verbringen gedenkt und er weiß auch sofort, was er damit machen will. Gegen den Willen der ganzen Familie, ganz besonders Gretas Mutter, machen sich die beiden mit Arjens altem Auto auf den Weg und klappern die Küste ab. Arjen verbrachte seine Jugend dort und für ihn ist ein Weg in die Vergangenheit.
Er erinnert sich an die Zeit, als er seinen Freund Ruben im Jahr 1939 kennenlernte und erlebt in Gedanken noch einmal all die Freuden, Streiche und die Zeit, die er mit ihm gemeinsam verbrachte. Es ist aber auch eine schmerzliche Erinnerung, denn ihn hat nie in all den Jahren das Gefühl der Schuld verlassen ...

Ich kannte Tanja Heitmann bislang nur vom Buch "Traumsplitter", das ja vom Genre her etwas völlig anderes ist. So war ich natürlich gespannt, was sie mit dem Thema Familiengeschichten / -geheimnisse anfängt. 

Greta, die sich gerade in der Schweiz von ihrem Freund getrennt hatte, packt kurzentschlossen ihre Sachen und fährt zum Geburtstag ihres Großvater, zu dem sie eine innige Beziehung hat. Er hat ihr schon als kleines Kind Geschichten von früher erzählt, lustige Anekdoten, die er erlebt hatte. So freut sie sich natürlich, als ihr Großvater Arjen sie bittet, mit ihm eine Reise an die Küste zu machen und die Stationen seiner Jugend noch einmal zu erleben.
Die ganze Familie ist entsetzt, hat er doch gerade erst vor kurzem eine Krebsbehandlung hinter sich und wird demzufolge von Gretas Mutter  versorgt und betüttelt.
Die Endstation ihrer Reise ist Beekensiel, der Ort, an dem er mit seinem Vater, der Pastor auf der Insel war, gelebt hatte.
Seit Arjen die Insel vor 50 Jahren verlassen hatte, war er nicht mehr dort. Es leben sogar noch Leute dort, die sich an ihn und seinen Vater erinnern können. Arjen tut sich schwer mit seinen Erinnerungen, die hauptsächlich die Freundschaft mit Ruben betreffen.
Keiner wusste, wo er herkam, Vermutungen gab es viele. Die beiden ergänzten sich, Arjen war der ruhige von beiden, Ruben dagegen der Draufgänger.
Ein Erlebnis im Jahr 1939 änderte plötzlich alles.

Was für eine wunderbare Geschichte um eine Freundschaft zwischen zwei vollkommen unterschiedlichen Jungen. Ruben, der stehlen ging, um überhaupt satt zu werden, aber zu stolz war, sich den Hunger einzugestehen und offensichtliche Hilfe nicht annahm und Arjen, den ruhigen Sohn eines Pastors. Arjen war mehr oder weniger sich selbst überlassen, seine Mutter war vor Jahren im See ertrunken und sein Vater war froh, wenn Arjen allein klarkam.
Da Arjen immer schon ein Außenseiter war, war diese Freundschaft zwischen den beiden etwas ganz besonderes. Er schaute zu Ruben auf, der etwas älter war als er selbst. Er vertraute ihm bedingungslos. 

Greta macht mit ihrem Großvater die Reise und lässt sich voll auf ihn ein. Sie ist so gespannt, wie die Geschichte weitergeht, die ihr Großvater immer nur in Etappen erzählen mag, weil sie ihn so sehr aufwühlt.
So langsam erfährt sie die Geschichte der Familien Rosenbooms und Ennenhofs. Arjen ist ein Rosenboom, die Ennenhofs hatten aber das Sagen auf der Halbinsel Beekensiel.

Als sie auf Mattes, ein Nachkomme der Ennenhofs treffen, sind sofort Vorurteile da, denn von den Ennenhofs kam noch nie was Gutes.
Dass sich letztendlich die Geschicke der beiden Familien verstricken und ein großes Geheimnis offenbart wird, macht die Geschichte so richtig interessant. 
Die Geschichte ist so wunderbar geschrieben, dass ich Probleme hatte, das Buch aus der Hand zu legen. Nicht nur Greta wollte wissen, wie es weitergeht, ich war genauso neugierig wie Greta.
Auf dieser Insel kennt Jeder Jeden, so war es auch nicht verwunderlich, dass der Dorftratsch eine große Rolle spielte. Eine neugierige Wirtin ergänzte das Ensemble der Protagonisten, die man bereits ins Herz geschlossen hatte.
Die Wortgefechte zwischen Greta und Mattes machen einfach nur Spaß, schön zu sehen, wie Greta sich oftmals im Recht sieht, wo sie am besten den Mund gehalten hätte, zum Beispiel beim Auto fahren.

Einen großen Teil der Protagonisten mochte ich. Greta und ihren Großvater sowieso, Mattes, der ein wenig ruppig daherkommt und der nicht mehr an die Liebe glaubt. Selbst Gretas Mutter hatte mich später überzeugt, dass sie doch nicht so bestimmend ist, wie sie anfänglich erschien.

Es ist ein wunderbares Buch, in dem es um Kindheitserinnerungen geht und deren Aufarbeitung von Ereignissen aus den Jahren 1939 und 1946. Erlebnisse, die auch nach 50 Jahren noch nicht vergessen sind.
Arjen ist mit einer Familie gesegnet, die füreinander einsteht, die sich helfen und die bis zum bitteren Ende für einen da ist, auch wenn man sich dadurch ein klein wenig eingeengt fühlt.
Ich für meinen Teil liebe solche Bücher und kann davon nicht genug bekommen. Tanja Heitmann, bitte mehr davon.
Das war definitiv mein Lesehighlight des Monats Juli.
Ein Buch, das ich sehr gern weiterempfehle.


Bewertung:



Zur Autorin:
(Text übernommen vom Blanvalet-Verlag)
Tanja Heitmann wurde 1975 in Hannover geboren und arbeitet in einer Literaturagentur. Sie veröffentlichte bereits mehrere Romane, unter anderem den sensationellen Erfolg Morgenrot, der monatelang auf den Bestsellerlisten stand. Mit Das Geheimnis des Walfischknochens schreibt Tanja Heitmann ihre erste Familiensaga vor der stimmungsvollen Kulisse der Nordsee, dem Ort ihrer ganz persönlichen Sehnsucht.

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei 
und dem Verlag 

bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.


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Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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