Freitag, 22. Februar 2013

[Rezension] Louise Jacobs - Fräulein Jacobs funktioniert nicht




Leseprobe


Eckdaten:
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Knaur HC (1. Februar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426655233
ISBN-13: 978-3426655238
Größe und/oder Gewicht: 20,7 x 13,2 x 3 cm

Inhalt gem. Knaur-Verlag:
Louise Jacobs wird in die bekannte Kaffeeröster-Dynastie Jacobs hineingeboren. Und von vornherein steht fest: Auch sie soll einmal erfolgreich werden. Doch als Louise in die Schule kommt, wird bald klar, dass sie Mühe haben wird, mit den anderen mitzuhalten. Das Schreiben fällt ihr schwer, die Zahlen wirbeln bunt durch ihren Kopf. Ein Makel in ihrem leistungsorientierten Umfeld, den ihr zahlreiche Therapeuten und Nachhilfelehrer auszutreiben versuchen – vergeblich. Louise wird immer mehr zur Außenseiterin. Mit fünfzehn erkrankt sie an Magersucht und wird in eine Klinik eingewiesen. Nach der Entlassung ist vieles besser – doch die Frage bleibt: Was anfangen mit einem Leben, in dem man aus der zugedachten Rolle fällt? Und wo die Heimat finden, die man zu Hause vergeblich sucht? Louise flüchtet sich auf die Farm ihres Vaters in Vermont. Hier, inmitten der Natur, kann sie das sein, wovon sie als Kind immer geträumt hatte: frei. Und nicht nur das: Hier findet sie auch die Bestimmung für ihr Leben.

Zum Buch:
Louise, eins von 6 Geschwistern, ist ein Kind wie jedes andere ... Bis sie zur Schule kommt. Plötzlich ist sie nicht mehr wie alle anderen, denn bei ihr wird Legasthenie diagnostiziert. Es reicht aber nicht, dass sie Probleme mit dem Lesen hat, sie kann auch nicht Rechnen, weder addieren noch subtrahieren. Die Folge darauf - Untersuchungen, Therapien, Übungen, Nachhilfen, Lernen, das zum absoluten Leistungsdruck mutiert.
Durch ihr zusätzliches Lernpensum, das sie täglich  zu absolvieren hat, verliert sie den Anschluss an ihre Klasse. Freunde hat sie keine, sie gehört nicht dazu und sie entwickelt sich zum Außenseiter.

Sie träumt davon, ein Cowboy zu sein, eine große Farm zu besitzen und abseits vom geschäftigen Leben der Allgemeinheit zu wohnen.
Ihr Vater besitzt in Vermont eine Farm, auf der sie sich wohl fühlt und wo sie sie selber sein kann.

Nachdem sie sich durch viele Klassen in der Schweiz gequält hat, nutzt sie die Chance, in den USA zur Schule zu gehen. Dort hat sie es anfänglich etwas leichter, sie versucht dazuzugehören, zwingt sich, auf ihre Mitschüler zuzugehen. Als sie sich zum allerersten Mal verliebt, in Mike, scheint es zu funktionieren, denn Mike hat einen großen Freundeskreis und ist beliebt. Aber diese Liebe ist nicht von Dauer, sie steht wieder fast allein da. Sie lernt wie besessen und verlangt ihrem Körper vieles ab, indem sie ihn sportlich antreibt. Vor lauter Sport und Ehrgeiz vergisst sie zu essen und wiegt eines Tages nur noch 39 kg.
Nach einem Jahr in den USA holen ihre Eltern sie wieder zurück in die Schweiz, wo sie nie wieder zurückkehren wollte, jedenfalls nicht längerfristig.
Ihre Eltern weisen sie in eine Heil- und Erholungsstätte für psychisch, psychosomatisch und suchtkranke Menschen ein und retten ihr damit wahrscheinlich das Leben.

Wird es ihr gelingen, sich körperlich zu erholen und einen Schulabschluss zu erhalten, den ihre Eltern für absolut erforderlich halten? ...

Louise wurde mit dem legendären Löffel im Mund geboren, denn ihre Eltern gehören zur Kaffeeröster-Dynastie Jacobs. Dieser Name verpflichtet, sie ist zu höherem geboren. 
Dass sie die Erwartungen nicht erfüllen wird, zeigt sich bereits in der 1. Klasse, als festgestellt wurde, dass sie Legastheniker ist.

Die Autorin Louise Jacobs schreibt mit diesem Buch ihre Biographie. Sie ist schonungslos offen und lässt den Leser an ihrem Leben teilhaben.
Ihre Ängste und Sorgen bezüglich des Pensums in der Schule sowie ihre immer weiterschreitende Vereinsamung bringt sie zu Papier. Ihre Verzweiflung über ihr Unvermögen und ihren Hass auf sich selbst lässt sie genauso wenig aus wie ihre Bemühungen, Freunde zu finden. 
Ganz oft hatte ich das Bedürfnis, Louise einfach nur in den Arm zu nehmen und wie ein Schutzschild vor ihr zu stehen.
Von ihr wurde immer nur gefordert, sie sollte "ticken" wie eine Jacobs und dabei wurde sie immer einsamer, so dass der Wunsch in ihr reifte, sie möchte ein Cowboy sein.
Aber Louise ist stark und sie rappelt sich auf, geht mutterseelenallein nach Amerika, um dort ihre Schule erfolgreich beenden zu können.
Sie will nur noch weg aus der Schweiz, auch wenn ihre Familie dort lebt, sie selbst fühlt sich dort nur eingeengt.
Auch an dem, was sie in dem einen Jahr in Amerika erlebt, lässt sie den Leser teilhaben, an ihrer Freizeit auf der Farm ihrer Eltern und in der Schule. 

Sehr beklemmend empfand ich die Zeit, die sie in der Heilstätte verbrachte. Ihre Erlebnisse dort reichen für ein eigenes Menschenleben. Dass sie dort überlebt hat, welchen Willen und welche Stärke sie dort aufbringen musste, um dort wieder rauszukommen zollt ihr meinen Respekt, vor allem, wenn man bedenkt, wie jung sie derzeit war.
  
Nie hatte sie es leicht, es gab auch für ein Fräulein Jacobs keine Sonderkonditionen, so dass sie wirklich behaupten kann, alles was sie heute ist, hat sie sich schwer erarbeitet.

Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben. 
Sie ist zu Besuch auf der Farm in Vermont und erzählt im fließenden Wechsel zwischen jetzt und ihrem bisherigen Werdegang. Das hatte mich anfangs ein wenig irritiert, aber an die Wechsel gewöhnt man sich schnell, auch wenn es keine Überschriften dazu gibt.

Ein schonungslos ehrliches Buch über eine sehr sympathische Frau, die hier ihre Biographie vorstellt. Ihr Schreibstil ist flüssig und das Buch lässt sich sehr gut lesen.
Wenn ich ehrlich bin, sagte mir die Autorin bisher nichts, aber nun werde ich dafür sorgen, dass ich auch die anderen bereits erschienenen Bücher von ihr lesen werde.
Ich für mich kann nur hoffen, dass sie noch viel veröffentlichen wird.
Louise Jacobs selbst wünsche ich, dass sich alle ihre Wünsche und Hoffnungen erfüllen, sie hat es verdient. 

Das ist ein Buch, das ich uneingeschränkt und gern weiter empfehle.

Bewertung:


Zur Autorin:
(Text von Knaur)
Louise Jacobs, geboren 1982, wuchs in der Schweiz und den USA auf. Ihr erstes Buch "Café Heimat", die Geschichte ihrer Familie, erschien 2006 und stand monatelang auf der Bestsellerliste.


HIER beantwortet die Autorin 10 persönliche Fragen 



Auf diesem Wege möchte ich mich recht herzlich bei der
bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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