Mittwoch, 28. März 2012

[Rezension] Andreas Dresen - Das Buch des Hüters

Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 221
ISBN: 978-3-862-82053-5
Erscheinungstermin: 8. Dezember 2011 (1. Auflage)
Preis: 12,90 EUR (D)
Format: Taschenbuch
Verlag: ACABUS

Klappentext:
'Kommando 9. August. Wir befreien Sie vom Diktat des Stroms und der Herrschaft des Computers. Leben Sie natürlich.' Diese Sätze leiten das Ende der uns bekannten Welt ein: Als radikale Umweltschützer die gesamte Stromversorgung zum Erliegen bringen, bedeutet dies eine Katastrophe für die Menschheit: Atomkraftwerke explodieren, Tiere beginnen sich gegen die Menschen zu richten und die Natur erobert die Erde zurück.
Hundert Jahre später fristen die Bewohner des industriellen Nordens ihr Leben in einer grauen Stadt voller Maschinen und Fabriken, während in der mittelalterlichen Gesellschaft von Panäa, dem verfeindeten Süden des Landes, alle technologischen Neuerungen verboten sind.
In dieser Welt bekommt Pejo, ein junger Mann aus dem Norden, auf einer Expedition in den Süden ein geheimnisvolles Buch von einem sterbenden Mädchen anvertraut. Schnell stellt Pejo fest, dass die Mächtigen sowohl im Norden als auch im Süden des Landes alles daran setzen würden, in den Besitz dieses Schriftstückes zu gelangen, und dass er zwischen die Fronten eines alten Krieges geraten ist. Auf seinem Weg durch den Süden, auf dem er Heilerinnen, Mutanten und gefährlichen 'Viechern' begegnet, muss er nicht nur Gefahren trotzen, sondern sich auch der Vergangenheit seines Landes und seinen eigenen Gefühlen stellen - denn nur so kann er am Ende die richtige Entscheidung treffen.

Rezension:
Nach dem Zeitalter der Technologie: Vor 100 Jahren haben Aktivisten die Stromversorgung der gesamten Welt gekappt, mit ungeahnten Folgen. Nun steht die Menschheit wieder am Anfang - Strom kennen sie nur noch aus Sagen und Legenden, das bisschen Technologie, das überdauert hat, ist heiß begehrt, die Welt hat sich in zwei Teile gespalten. Nun existieren auf dem Kontinent, der ehemals Europa war, nur noch Panäa und Flusshaven. In Panäa wird Technologie vom Gesetz her abgelehnt, hier gibt es nur das ursprüngliche Leben. Ein paar Relikte aus der alten Zeit werden als Schmuggelware gehandelt. Hier ist die Armut und das Unglück groß und viele der Menschen in Panäa würden lieber im Norden, in Flusshaven, leben, denn dort gibt es noch Technologie. In Flusshaven gibt es noch Fabriken, doch nichts anderes. Tag für Tag, Jahr für Jahr schuften die Menschen in den Fabriken des Stromkönigs, noch nie sahen sie einen Baum oder ein Feld, denn in Flusshaven wird zwar produziert, aber nichts angebaut. So entsteht zwischen diesen beiden Teilen der Welt ein Abhängigkeitsverhältnis - und dennoch brodelt es überall. Die Menschen sind unzufrieden.

Der junge Pejo aus dem Norden wurde vom Stromkönig nach Panäa gesandt, um das "Buch des Hüters" zu finden. Pejo ist Anfang zwanzig, doch auf Grund seiner sehr behüteten Kindheit, hat er von der Welt um sich herum nur sehr wenig Ahnung. Als seine Karawane überfallen wird, überlebt er als einziger, doch er ist vollkommen auf sich allein gestellt. Was soll er machen? Er spricht die Sprache der Menschen hier, es ist auch seine eigene, aber ansonsten ist ihm in Panäa alles unbekannt. Er weiß jedoch, wenn er entdeckt wird, wird er getötet, denn er ist aus dem Norden und somit ein Feind. Huya, eine fahrende Prostituierte und Kräuterfrau nimmt ihn auf und hilft ihm, sich in dieser Welt zurecht zu finden. Denn trotz aller Unwegsamkeiten hat Pejo nur ein Ziel vor Augen: Er will wieder nach Hause, nach Flusshaven.

Während dessen wurde Walther vom Stromkönig entsandt, um das "Buch des Hüters" an sich zu nehmen, ohne Rücksicht auf Verluste. Walther ist ein sehr erfahrener Söldner und hat schon so manchen unschönen Auftrag für den Stromkönig ausgeführt, doch auch er hat ein Ziel vor Augen. Er muss dieses Buch finden, um jeden Preis, denn nur so kann er das Leben seiner Frau Maya retten.

Während seines Aufenthaltes in der kleinen Stadt Waldfurth wird Pejo Zeuge eines Anschlages - das Ziel: Das Buch des Hüters. Junge Aktivisten wollen es zerstören, denn sie befürchten, es bringe nur noch weiteres Unglück über die Welt. Pejo wird als Beteiligter des Anschlages verdächtigt, kann jedoch fliehen. Er trifft auf Rosso, eine dieser jungen Aktivistinnen und kann mit ihr kurzfristig untertauchen. Doch Rosso ist verletzt und stirbt - zuvor gibt sie Pejo jedoch das "Buch des Hüters", das sie an sich genommen hat.

Unerwartet hat Pejo seinen Auftrag erfüllt - jetzt steht ihm jedoch das größte aller Abenteuer bevor, die Reise zurück nach Flusshaven. Unterwegs muss er gegen Bestien und Mutanten kämpfen, doch auch seine Feinde sind ihm dicht auf den Fersen. Was steht in dem "Buch des Hüters", dass jeder, der es besitzt, kurz darauf sein Leben verliert?


Was für düstere Zukunftsaussichten!!! In diesem Endzeitroman führt uns der Autor glaubhaft vor Augen, was mit der Menschheit geschehen würde, wenn wir plötzlich ohne Strom, ohne wirkliche medizinische Versorgung, jedoch mit mächtigen, von der Natur geschaffenen Feinden dastehen würden. Der Plot wurde sehr fantasievoll und auch erschreckend-realistisch dargestellt, denn in unserer heutigen Zeit möchte ich mir nicht einmal im Ansatz vorstellen, wie das Leben ohne Technologie wäre - Andreas Dresen hingegen ist es fantastisch gelungen, mir dies vor Augen zu führen.

Die Figuren des Romans weisen sehr viel Tiefe und Dynamik auf, jederzeit konnte ich sie mir bildlich vor Augen vorstellen. Ganz besonders gut hat mir die Wandlung des Pejo gefallen, der anfangs wirklich nicht mehr ist als ein verwöhnter Sohn aus guten Hause, sich jedoch nach und nach seiner eigenen Stärken bewusst wird und es immer wieder schafft, über sich selbst hinaus zu wachsen. Ferner muss ich an dieser Stelle ebenfalls die innere Wandlung des Walthers positiv aufführen - diese fand ich auch ausgesprochen gelungen, ich hatte für ihn nie die Hoffnung aufgegeben.

Der Schreibstil ist klar und leicht verständlich halten, sodass ich es zwischendurch sehr schwierig fand, dieses Buch überhaupt aus der Hand zu legen, da mich die ganze Geschichte um eine Welt nach der Technologie sehr gefesselt hat. Nun bleibt mir nur noch zu hoffen, dass es zu diesem Buch einen 2. Band geben wird, es gibt mit Garantie noch so viel über Panäa und Flusshaven zu berichten und auch über Pejos weitere Entwicklung, dass ich an dieser Stelle auf jeden Fall schon einmal Interesse für einen weiteren Band bekunden werde.

Bewertung

Der Autor:
Andreas Dresen, Jahrgang 1975, lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Aachen. Schon immer war er von fremden Welten fasziniert – von der wilden Atlantik-Küste Südirlands genauso wie von den Sagen und Legenden seiner Heimat. Und so findet sich in seinen Kurzgeschichten genauso wie in seinem Debütroman "Ava und die STADT des schwarzen Engels" eine fesselnde, gleichsam skurrile und charmante Mischung aus Fantasy-Elementen, klassischer Mythologie und einem scharfen Blick für die Kuriositäten der Gesellschaft und des Alltags.

Zur Homepage des Autoren kommt ihr hier.



Wie ich zu dem Buch kam:
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim



bedanken, der mir dieses tolle Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat.


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