Freitag, 8. Dezember 2017

[Interview] Das Katzenpersonal befragt Ralf Gebhardt


Im Rahmen einer Blogtour hatte ich die Möglichkeit, dass mir RALF GEBHARDT, Autor des Buches


Rede und Antwort steht.





Herr Gebhardt, stellen Sie sich uns kurz vor? 
Ja, gern. ich bin (noch) 49 Jahre alt, verheiratet, habe eine erwachsene Tochter und liebe Krimis und Thriller. „Ich schenke dir den Tod“ ist mein Debüt. Und wahrscheinlich übertreibe ich jetzt nicht, wenn ich sage, dass es so ziemlich das Beste ist, was mir dieses Jahr passiert ist … :-)

Warum haben Sie angefangen Bücher zu schreiben? 
Das ließ sich nicht vermeiden, denn ab der Schulzeit hat mich (neben der Lese-Sucht) der Schreibvirus gepackt. Angefangen hat es mit den Schulaufsätzen, woraus dann Kurzgeschichten geworden sind. Der Traum vom Schreiben und den damit eigenen Welten hat mich begleitet, immer. Der Eintritt in den BVjA (Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V.) sowie die diversen Schreibratgeber, die ich verschlungen habe, konnten den Wunsch nicht unterdrücken. Und bevor ich mich dann an das erste Buch gewagt habe, wollte ich etwas professioneller werden – deshalb folgten gut 2 Jahre Schreibschule im Fernstudium. Neben den Grundlagen über den Plot ging es dann weiter zur Rohfassung und irgendwann auch zum magischen Wort   E n d e   .

Wie wichtig ist Ihnen der Leserkontakt und das direkte Feedback Ihrer Leser? 
Sehr wichtig. Das zeigt mir, was wirkt, wo Reserven sind, was ankommt, wo ich besser werden kann … Ich sehe und höre, ob es mir gelingt, die Leser zu unterhalten, ob sich die bisherige Arbeit gelohnt hat und lerne für das nächste Projekt.

Wie sieht Ihr normaler Tagesablauf aus? 
Zuerst gibt es da die Familie und auch den „Brotberuf“ in Vollzeit. Zeit fürs Lesen und Schreiben bleibt am Abend, am Wochenende und im Urlaub. Es gibt übrigens eine Menge TV-Sendungen, bei denen man –vorsichtig gesagt- die Zeit auch anders nutzen kann. Im Lauf der letzten Jahre hat sich dabei mein Schreiben verändert, es gibt jetzt einen Plot, einen Plan, bevor ich loslege. Und ein Notizbuch für Zwischendurch. Zum Plan kann ich immer zurückkehren, auch wenn es mal nicht gelingt, jeden Tag zu schreiben. Das gibt ein Gefühl von Sicherheit.

Mit welchem Buch erwachte Ihre Liebe zur Literatur? 
Hm, wahrscheinlich mit Grimms Märchen, gefolgt von Karl Mays Winnetou-Büchern und später dann mit unendlich vielen Science-Fiction-Romanen. Ich bin ja in der DDR aufgewachsen, auch da gab es Heftromane und Abenteuerliteratur. In unserem Dorf konnte man das wöchentlich bei der Post kaufen, d.h., nachdem die Angestellte bereits je ein Exemplar für mich reserviert hatte. Ich kann mich nicht erinnern, mein Taschengeld für etwas anderes ausgeben zu haben. :-)


Wie schwer ist es Ihrer Meinung nach, sich als Autor auf dem deutschen Buchmarkt zu integrieren? 
Sagen wir so, es ist möglich, aber nicht einfach. Wer den Wunsch hat und ernsthaft daran arbeitet, der schafft es m.E. auch. Neben Selbstdisziplin, Begeisterung, Leidensfähigkeit (Stichwort dickes Fell, denn wer verträgt schon Absagen, pauschale Kritik und Missachtung durch Nicht-Antworten…) braucht es Grundlagenkenntnisse und unbedingt einer Vernetzung, egal, ob online oder offline. Der Kontakt über Schreibkollegen und –freunde, Autorenverbände, Messen und Stammtische ist extrem wichtig. Wer sich hier ein wenig mehr informieren möchte, kann sich ja bei den guten einschlägigen Schreibratgebern umschauen.
Nicht umsonst heißt übrigens die Verlagssuche „Ochsentour“. Und ganz wichtig: Vorsicht bei Druckkostenzuschussverlagen. Wer eine Geschäftsverbindung am Buchmarkt eingeht, sollte unbedingt auf Seriosität achten. Ja, und wer den Selfpublisher-Weg wählt, der hat es zum einen leichter durch ein in den letzten Jahren deutlich gewachsenes, breites und gutes Angebot. Aber wie bei den Verlagsautoren gibt es auch hier unzählige Mitbewerber, was es nicht einfacher macht, gesehen zu werden. Bitte auch dabei in der Zusammenarbeit auf Qualität und vernünftige Ratgeber achten.  

Beeinflusste Sie ein Buch auf Ihrem Weg in die Schriftstellerlaufbahn? 
Eigentlich eher viele und der Wunsch, so in der Art zu schreiben, wie ich gern lesen würde. Aber eins ganz bestimmt: „Das Leben und das Schreiben“ von Stephen King. Das empfehle ich unbedingt auch denen, die sein Genre nicht mögen, jedoch den Traum vom eigenen Buch haben.

Bevorzugen Sie Einzelbände oder Buch-Reihen? 
Eher Einzelbände. Wenn die gut sind, wäre es allerdings oft toll, wenn es eine Fortsetzung gäbe. Sind wir dann bei der Buch-Reihe? :-)

Ganz ehrlich – E-Books oder Print? 
Print. Punkt. Das kann man anfassen, da kann man drin blättern und übers Cover streichen… Abgesehen davon sieht eine Bibliothek übrigens auf diese Weise besser und viel viel gemütlicher aus als eine Sammlung von Dateien auf dem Reader.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 
Viel Zeit zum Lesen und Schreiben, gute und spannende Bücher, einen fairen Buchmarkt, kreative Inspirationen und einige weitere eigene Bücher. Und selbstverständlich ganz viele Leser.

Sie haben Ihren aktuellen Roman „Ich schenke dir den Tod“ im Mansfelder Land angesiedelt – wieso genau dort? 
Hier bin ich aufgewachsen, das ist meine Heimat, hierhin komme ich gern zurück. Das ist eine Region, die es wahrlich nicht immer einfach hatte in der Geschichte. Aber es ist eine tolle Region mit tollen Menschen.


Ihr Täter hat bereits in sehr jungen Jahren schlimme Erfahrungen mit Mitmenschen machen müssen. Sind diese Erlebnisse rein erdacht oder beruht dies (teilweise) auf Tatsachen? 
Um die Frage direkt zu beantworten: Ich hatte keine schlimme Kindheit, im Gegenteil Bis auf die Landschaften und Orte ist alles fiktiv. Manche Namen gab und gibt es und viele Ideen beruhen auf tatsächlichen Begebenheiten. Übrigens: So viel wie ich weiß haben aber immer alle (im Gegensatz zum Buch) die Klassentreffen überlebt.

Ihr Ermittler ist mitunter etwas stur – kommen da eigene Charakterzüge zum Vorschein? 
Wer sagt denn sowas??? Na gut, es gibt hier nicht umsonst den Ausdruck: „Mansfelder Stur-Nischel“.  Warum das meine Frau manchmal zu mir sagt, weiß ich allerdings auch nicht … :-)

Warum quält Ihr Täter ausgerechnet Katzen und keine anderen Vierbeiner? 
Er ist einfach böse und ich finde, dafür muss er auch bestraft werden. An dieser Stelle entschuldige ich mich stellvertretend für ihn bei allen Katzenfreunden sowie beim Lesenden Katzenpersonal. Ferner schwöre ich, dass ich persönlich noch nie (!) einer Katze was getan habe! – Und, pssst, wenn Sie es nicht weitersagen: Ich habe eine Tierhaarallergie, vor allem bei Katzen. Vielleicht ist das meine Art, „Danke“ zu sagen, rein auf dem Papier natürlich …

Der Staatsanwalt in Ihrem Buch ist ein richtiger Lebemann – gibt es für diese Figur ein reales Vorbild?
Nein, eigentlich nicht, eher eine Mischung aus Vorurteilen und Klischees. Ein Gegenstück und eine freundschaftliche Ergänzung zum Kriminalhauptkommissar Störmer. Und trotzdem ist er jemand, der ganz tief drin ein guter Mensch ist. Einer, auf den man sich verlassen kann. Andererseits: Vielleicht mag ihn ja auch der eine oder andere Leser, wegen der tollen Autos und seiner Wirkung auf Frauen. Könnte sein. :-)

Vielfach wird in dem Buch auf Stasi-Akten eingegangen. Haben Sie eine eigene (gehabt) oder dies ggf. schon recherchiert?
Da habe ich an- und nachgefragt, es gibt aber nichts. Hier muss ich sagen: leider. Ob es an meinem Alter lag? Genau zur Wende war ich gerade mal mit dem Studium fertig. Es hätte mich im Nachhinein interessiert, was andere über mich gedacht oder auch erdacht haben. Ich vermutete, dass ich mich vielleicht in dem einen oder anderen Menschen meiner Vergangenheit getäuscht hatte, dass vielleicht Vertrauen missbraucht wurde (und habe deshalb Antrag auf Akteneinsicht gestellt). Zum Glück ist das aber nicht passiert. Auf jeden Fall hätte eine solche Akte sicherlich als Stoff Ideen hervorgebracht. Im Buch ist es ein Handlungsstrang, der mit der Geschichte, der Zeit und den Opfern zusammenhängt.

Ihr Täter hat eine stark ausgeprägte Affinität zu Produkten aus dem Baumarkt – sind Sie selbst auch solch ein begeisterter Baumarktgänger?
Nein, eher nicht, nur, wenn ich Kleinigkeiten brauche. Mit klassisch „linken Händen“, was das betrifft, bin ich eher der Theoretiker. Aber es ist halt so, dass das Unterbewusstsein ständig arbeitet, und als ich eine Tür gesehen habe, die vor Jahren eingebaut wurde und wo man heute noch die Reste von hervorquellendem Bauschaum sehen kann, wurde da so eine Idee geboren …  

Ihr Ermittler hat, ebenso wie Sie, eine Tochter. Sind zwischen den Beiden eindeutige Parallelen erkennbar?
Keine, außer, dass sie beide liebenswerte Personen sind. Im Buch zeigt es die Seite der Gesellschaft, die es dem Kriminalhauptkommissar im Leben sehr schwer macht, die Selbstzweifel säht. Wenn man so will, dann ist es eine der Schwächen des Helden. Auch wenn er hier ganz bestimmt nicht alles richtig macht, es macht ihn menschlicher.

Ich weiß, Autoren lieben (fast) alle Ihre Figuren – doch welche ist Ihnen die allerliebste?
Störmer, der Kriminalhauptkommissar.  

Das Ende des Buches offeriert, dass es zumindest einen weiteren Band geben wird. Wenn ja, auf wie viele Bücher soll es die Reihe final bringen?
Als ich gefragt wurde: „Ralf, schreibst du noch ein Buch?“ habe ich spontan geantwortet: „Ja.“ (Den ganz groben Plot hatte ich schon notiert.) Und auf die Frage: „Um was geht es denn?“ antwortete ich: „Also, was ist schlimmer als ein Böser? Genau, zwei Böse!“ - Und so bin ich jetzt bei der Rohfassung zum Nachfolgeprojekt. Ich wünsche mir dabei, dass sich die Leser vom ersten Teil wiederfinden können und auch, dass man den zweiten Teil lesen kann, ohne den ersten zu kennen. Mal sehen, ob das gelingt. Für einen möglichen dritten Teil gibt es schon sowas wie eine Grundidee. Das könnte mit dem gleichen Kommissar (und auch an sich eigenständig) sein. Mal sehen, was das Unterbewusstsein da so mit mir macht … 


Herzlichen Dank an Ralf Gebhardt für die Beantwortung meiner Fragen.
 

Kerry